Steigerung der Wertschöpfung im Mühlenbetrieb durch Digitalisierung

Jürgen Englert und Andreas Hummel · Obervolkach / Advactory

Redaktionell geglättete Mitschrift · Nicht am Ton geprüft · Sprecher automatisch erkannt oder redaktionell zugeordnet

Sprecher wurden soweit möglich redaktionell zugeordnet; übrige Nummern und Zeitmarken gelten nur für diese Aufnahme. Öffentliche Anmoderation, Vortrag und Fragerunde; sachfremder Abschluss ausgelassen. Sprecher nach Redeübergaben zugeordnet; Publikumsbeiträge nicht namentlich identifiziert. Angaben zu Förderung, Preisen, technischen Fähigkeiten und Planungen sind Aussagen der Vortragenden und nicht unabhängig geprüft.

  1. Moderation

    Mich freut es besonders, dass wir wieder einen praktischen Vortrag haben. Herr Hummel hat immer gute Ideen und hat das anscheinend bei Jürgen Englert ausprobiert. Ich weiß selbst noch nichts darüber, lasse mich überraschen und gebe den beiden Herren das Wort.

  2. Andreas Hummel

    Vielen Dank. Digitalisierung und künstliche Intelligenz im Mühlenbetrieb: 2023 habe ich hier bereits einen Vortrag zur Digitalisierung gehalten. Künstliche Intelligenz war damals noch kein Thema. Heute nutzt, denke ich, mehr als die Hälfte hier ChatGPT, Google-Funktionen, Claude oder andere Anwendungen. Wir wollen zeigen, was sich in den letzten Jahren getan hat, wie sich Advactory weiterentwickelt hat und wie das Ganze gemeinsam mit Jürgen Englert in einer bayerischen Handwerksmühle tagtäglich umgesetzt wird.

  3. Andreas Hummel

    Im vergangenen Jahr war ich in Jeddah, in Saudi-Arabien, auf einer Müllerei-Tagung und da war eine Professorin aus England und die hat einen Vortrag gehalten über künstliche Intelligenz und einen digitalen Zwilling eines Betriebes und hat eigentlich erklärt, die künstliche Intelligenz wird die Müller sowieso ersetzen und sie hat mithilfe der künstlichen Intelligenz in zehn Minuten einen Mühlenbetrieb dargestellt. Also wie Sie sehen, es hat recht wenig mit einer Mühle zu tun. Die künstliche Intelligenz ist zwar gut, aber es braucht, denke ich, noch ein bisschen Zeit, um den Müller zu ersetzen. Aber die Frage:

  4. Andreas Hummel

    Wie können wir Digitalisierung heute nutzen und wie bringt sie uns Müller voran? Wir müssen die Anforderungen des Müllers erfüllen:

  5. Andreas Hummel

    Digitalisierung ist gut, aber keiner von Ihnen wird den Maschinenpark wegen der Digitalisierung komplett erneuern. Es muss mit den heutigen Maschinen gehen, es muss mit der heutigen Ausrüstung gehen, es muss einfach sein, es muss eine Erleichterung geben und der Kosten-Nutzen-Effekt muss da sein, sonst bringt uns das alles genau nichts.

  6. Andreas Hummel

    Um KI irgendwann erfolgreich zu nutzen, brauchen wir verschiedene Grundbausteine. Zum einen die Automation: Die meisten Betriebe haben eine speicherprogrammierbare Steuerung (SPS), vielleicht aber auch verschiedene Insellösungen. Dazu kommen digitale Prozessschritte. Was auf Papier steht, können wir für die KI nicht verwenden und auswerten. Dann müssen wir Daten messen. Was heute teilweise von Hand [unverständlich] und dokumentiert wird, muss automatisiert werden, damit wir diese Werte

  7. Andreas Hummel

    erfassen und später verwenden können. Dann können wir sie visualisieren und künftig die KI zur Unterstützung unserer Abläufe nutzen.

  8. Andreas Hummel

    In Mühlenbetrieben gibt es viele Daten, die oft nicht gesammelt werden. Die Anlagensteuerung visualisiert bestimmte Dinge, es gibt einen Ausbeuterapport und vielleicht eine Rückverfolgbarkeit, aber viele Daten gehen verloren. Heute kann man Werte aus verschiedenen Steuerungen auslesen, zusammenführen und visualisieren. Die Frage ist: Wie geht das bei alten Steuerungen? Bei neuen ist eine Schnittstelle relativ einfach. Aber wie bekomme ich Informationen aus einer älteren Relaissteuerung oder unterschiedlichen Systemen in einem Betrieb zusammen? Dazu zeige ich später mehr.

  9. Andreas Hummel

    Digitale Prozessschritte: Aktuell gibt es in den Betrieben noch Papierunterlagen für Arbeitsanweisungen, Arbeitssicherheit, Reinigungspläne und anderes. Diese müssen digital abgebildet werden, damit ich die Daten verwenden kann.

  10. Andreas Hummel

    Ich denke, über 90 Prozent der Mühlen arbeiten aktuell noch mit Papier. Das wird sich künftig wohl ändern, um den Anforderungen gerecht zu

  11. Andreas Hummel

    werden. Das Erste, was wir mit Advactory gemacht haben, war, Arbeitsschritte digital abzubilden.

  12. Andreas Hummel

    Die W-Fragen sind klar definiert: Der Müller weiß, was zu tun ist, erledigt die Schritte im System und dokumentiert die Ergebnisse. Herr Englert wird dazu noch mehr zeigen. Es ist festgehalten, wer etwas wann und wo gemacht hat. Ein Beispiel aus den USA von Miller Milling [Ortsname im Transkript unklar]: Dort wurde die Netzschnecke gereinigt und das per Foto festgehalten.

  13. Andreas Hummel

    Ein weiteres Beispiel sind Laborergebnisse vom Getreideeingang in einer Mühle in Saudi-Arabien. Früher trug jeder Betrieb täglich Werte in Excel ein. Sie wurden nach Jeddah geschickt, dort zusammengetragen und dem Chef vorgelegt. Jetzt gibt das Labor die Werte ein und sie sind überall sichtbar.

  14. Andreas Hummel

    Werte, die nicht in Steuerungen vorliegen, können wir mit LoRaWAN-Sensoren messen. Das Netzwerk hat geringere Übertragungsraten als WLAN, reicht aber auch durch massiven Beton. Für einen größeren Mühlenbetrieb braucht man ungefähr zwei bis drei Gateways. Wir schauen, welche Werte benötigt werden und welche Sensorik am Markt verfügbar ist. Der gezeigte Sensor misst beispielsweise Strom: Man setzt ihn um das Kabel und hat den Wert in der Cloud.

  15. Andreas Hummel

    Eine ähnliche Anforderung gab es bei Moulins de Kleinbettingen in Luxemburg: eine alte Durum-Mühle mit MDTB-Walzenstühlen von Bühler aus den 1970er-Jahren. Die Steuerung wurde in den 1990er-Jahren erweitert, der Ausbeuterechner basierte noch auf Windows XP. Inzwischen waren sieben Waagen installiert, aber nur drei auf dem Rechner. Wer das Programm geschrieben hat, war nicht mehr verfügbar oder bekannt. Der Müller druckte täglich den Ausbeuterapport aus, ergänzte die anderen Waagen von Hand und legte ihn ab.

  16. Andreas Hummel

    Wir hatten, glaube ich, fünf verschiedene Waagentypen, darunter Bühler-Generationen und neue Swisca-Waagen. Wir haben die Werte direkt an den Waagen mit Sensoren ausgelesen. Im Betrieb mussten keine Kabel gezogen werden. Nach einer Stunde Installation hatten wir die Werte in der Cloud und können von überall darauf zugreifen. Verschiedene Rezepturen sind hinterlegt und lassen sich für die Rückverfolgbarkeit auswerten.

  17. Andreas Hummel

    Jetzt kennen wir für die Mühle aus den 1970er-Jahren die Durchsätze und die Ausbeute.

  18. Andreas Hummel

    Wir haben auch die Energieverbräuche integriert und wissen, welche Schaltschränke zur Mühle und welche zur Reinigung gehören. Die Auswertung erfolgt in Kilowattstunden pro Tonne. Interessant ist, wie viel produktiv bei laufender Mühle und wie viel unproduktiv verbraucht wird. Unproduktiv heißt für mich: Die B1-Waage steht, es gibt keinen Durchsatz und die Sichter stehen. Das Leerfahren der Mühle bei einer Umstellung auf Bio gehört für mich dazu. Beim Hoch- und Herunterfahren brauche ich Energie, aber

  19. Andreas Hummel

    den unproduktiven Verbrauch sollte man gering halten. Wir kennen die Produkte aus der Mühle und können über verschiedene Zeiträume anzeigen, wie viel Energie für ein Rezept oder Produkt verbraucht wird, das wir für verschiedene Kunden produzieren

  20. Andreas Hummel

    Wir sehen also die Daten und Prozessschritte. Ich brauche nicht alle Schritte; auch ein einzelner ist möglich. Die erfassten Daten sind Grundlagen für die künstliche Intelligenz. Darauf bauen wir auf

  21. Andreas Hummel

    und irgendwann kommt der nächste Schritt. Vor korrigierenden Anpassungen durch künstliche Intelligenz habe ich ehrlich gesagt noch etwas Bedenken. Aktuell arbeiten wir lieber mit einer Empfehlung als Hilfestellung. Aber der Tag wird kommen.

  22. Andreas Hummel

    Jetzt übergebe ich das Wort weiter an Jürgen Englert.

  23. Andreas Hummel

    2023 habe ich hier einen Vortrag gehalten. Eine Woche später rief Jürgen Englert mich an. Er sagte sinngemäß, er habe die Zettelwirtschaft satt und bat mich, seiner Frau noch einmal zu erklären, was ich in Volkach vorgestellt hatte. Herr Englert, bitte schön.

  24. Jürgen Englert

    Guten Morgen, liebe Kollegen und Kolleginnen. Schön, dass Sie alle im Frankenland sind.

  25. Jürgen Englert

    Ob ich das genau in diesem Wortlaut gesagt habe, weiß ich nicht mehr, das ist schon zu lange her. Ich möchte Sie mitnehmen, damit Sie meine damalige Intention verstehen.

  26. Jürgen Englert

    Wir sind alle Müller und Müllerinnen. Ich nehme Sie gedanklich auf einen Rundgang durch meine Mühle mit, damit Sie die Intention dahinter verstehen.

  27. Jürgen Englert

    Als Besucher meldet man sich bei uns zunächst an und erhält eine Unterweisung. Vor der Produktion lag ein Ordner mit den Dokumenten, etwa zur Wartung der Walzenstühle und Plansichter oder zur regelmäßigen Kontrolle der Magnete.

  28. Jürgen Englert

    Das sind Punkte, die in einem Ordner

  29. Jürgen Englert

    dokumentiert waren. Wenn wir mit dem Aufzug durch die Stockwerke fahren, lag bei uns rechts nach dem Aussteigen jeweils die Reinigungsdokumentation.

  30. Jürgen Englert

    Im zweiten Stock dokumentieren wir zum Beispiel die Zugabe von Backmitteln wie Ascorbinsäure und Malzmehl. Wir schauen den Betrieb bis zur Verladung an und halten fest, wer wann was wie gefahren hat. Auch die Fahrzeuge sehen wir uns an.

  31. Jürgen Englert

    Dazu gehören äußere Prüfung und TÜV, die regelmäßige Wartung des Überdruckventils und die Reinigung des Filters. Wir sind IFS-zertifiziert; Großkunden wollen diese Dokumentation bei jeder Ladung haben.

  32. Jürgen Englert

    Mein Team macht das.

  33. Jürgen Englert

    Die machen die Arbeiten, aber mit der Dokumentation

  34. Jürgen Englert

    war es schwierig. Meine QS-Mitarbeiterin kontrollierte, ob die Arbeit dokumentiert oder nachgetragen worden war. Die Arbeit wurde gemacht,

  35. Jürgen Englert

    aber die Dokumentation war nicht immer so, wie sie hätte sein sollen.

  36. Jürgen Englert

    Das war ein Grund für meine Entscheidung. 2023 habe ich Hummels Vortrag hier in den vorderen Reihen gehört und gedacht:

  37. Jürgen Englert

    Das ist es.

  38. Jürgen Englert

    Das könnte passen und ich könnte es umsetzen. Es ist ein etwas anderer Weg, als Hummel ihn beschrieben hat. Ich möchte auch ein Plädoyer für die Tagung

  39. Jürgen Englert

    aussprechen: Nutzen Sie die Tagung. Der Blickwinkel erweitert sich, und Informationen können früher oder später nützlich werden. Wie Hummel gesagt hat, dachte ich relativ früh: Das ist es. Die Entscheidung für Advactory … Moment, wo haben wir das?

  40. Jürgen Englert

    Das war im November 2023. Im Dezember haben wir uns entschieden. Ich habe ein Team,

  41. Jürgen Englert

    das ich mitnehmen wollte. Die Mitarbeitenden waren offen dafür, das über das Handy zu machen. Ich habe versucht, es ihnen bildlich zu erklären. Die Jugend ist handyaffin; mit A4-Blatt und Schreiben ist es immer schwieriger. Selbst bei

  42. Jürgen Englert

    Auszubildenden gehen die Nachweise heute digital. Ob das alles so gut ist, weiß ich nicht. Jedenfalls

  43. Jürgen Englert

    haben wir die erste Online-Schulung im Februar gemacht. Und

  44. Jürgen Englert

    die Entscheidung

  45. Jürgen Englert

    ist relativ zügig gefallen. Damals gab es den Digitalbonus, den es noch gibt. Er läuft voraussichtlich bis Ende 2027 und fördert das Projekt; das hat mir die Entscheidung erleichtert. Wie es außerhalb Bayerns ist, erkundigen Sie sich bitte. [Redaktion: Angaben zur Förderung und Antragstellung sind Aussagen aus der Diskussion und nicht unabhängig geprüft.]

  46. Jürgen Englert

    Meine QS-Mitarbeiterin hat sich zuerst damit befasst und die vielen vorhandenen Dokumente gemeinsam mit Herrn Hummel digitalisiert. Es war hilfreich, jemanden mit Branchenkenntnis zu haben. Wenn meine QS-Mitarbeiterin [unverständliche Passage], war Herr Hummel flexibel und setzte es für unseren Betrieb praktikabel um.

  47. Jürgen Englert

    Hier die Zeit [unverständlich], 60 Stunden, auf zwei Monate verteilt. Über 90 Prozent der gesamten Papierdokumentation … [Redaktion: Der Zeitaufwand ist im automatischen Transkript nicht sicher verständlich.]

  48. Jürgen Englert

    ist jetzt in Advactory. Zehn Prozent sind noch auf Papier,

  49. Jürgen Englert

    weil ich das so möchte. In der Annahme steht zum Beispiel noch im Buch,

  50. Jürgen Englert

    wer angeliefert hat und in welche Zelle. Wenn man schnell nachsehen muss,

  51. Jürgen Englert

    tun wir uns damit persönlich leichter. In der Mehlverladung schreiben wir ebenfalls noch auf, welcher Kunde welche Type und Mischung aus welchen Zellen bekommt und in welche Verladezelle sie geht. Für unsere Rückverfolgung ist das persönlich schneller. Aufgaben können aber auf PC, Tablet oder Handy abgearbeitet werden.

  52. Jürgen Englert

    Bei den Mehlbehandlungsmitteln

  53. Jürgen Englert

    musste man bisher das Blatt herausholen und den Vorgang eintragen.

  54. Jürgen Englert

    Das empfand ich manchmal als nervig. Wenn ich beispielsweise im dritten Stock einen Magneten kontrolliert hatte, kamen auf dem Weg nach unten ein oder zwei andere Dinge dazwischen und der Eintrag wurde vergessen. Mit Advactory trage ich es direkt am Handy ein, mache bei Bedarf ein Foto und es ist sofort abrufbar und gedanklich abgehakt.

  55. Jürgen Englert

    Hier sehen Sie unsere Anrissliste für Mehlbehandlungsmittel. Ich starte den Vorgang mit „Aufgabe starten“.

  56. Jürgen Englert

    Dann mache ich ein Foto vom Sack. Darauf steht die Bezugsnummer des Produkts und es sind die Daten für die Rückverfolgung erkennbar. Die Chargennummer kann man eingeben, muss es aber nicht, weil sie auf dem Bild steht. Zusätzlich geben wir die Größe des Batches ein, den wir in der Produktion für diesen Zeitraum nutzen.

  57. Jürgen Englert

    Jetzt fragt das Programm, ob die Verpackung in Ordnung ist. Haken setzen, fertig.

  58. Jürgen Englert

    Dann das Mindesthaltbarkeitsdatum: Ein Produkt könnte ja ablaufen. Nach der Bestätigung kann man speichern; der Vorgang ist erledigt und im System dokumentiert.

  59. Jürgen Englert

    Auch Hygienemaßnahmen sind hinterlegt. In Obervolkach sind wir GMP-zertifiziert, was ebenfalls Aufwand bedeutet. Schädlingsbekämpfung und Hygienemaßnahmen für Fahrzeuge und Fahrer sind dokumentiert und abrufbar. Für uns ist das eine wesentliche Erleichterung.

  60. Jürgen Englert

    Warum haben wir uns dafür entschieden?

  61. Jürgen Englert

    Ich saß hier und dachte: Das ist für uns eine Erleichterung.

  62. Jürgen Englert

    Und das ist es auch. Die vielen Vorgänge

  63. Jürgen Englert

    müssen in bestimmten Abständen gewartet und dokumentiert werden. Meine QS-Mitarbeiterin prüfte früher im Betrieb, ob das Intervall stimmt und alles dokumentiert ist.

  64. Jürgen Englert

    Jetzt schaut sie am PC nach. Passt etwas nicht,

  65. Jürgen Englert

    schickt sie dem Zuständigen eine Nachricht und es wird erledigt.

  66. Jürgen Englert

    Das ist unkomplizierter und direkter. Wenn etwas überfällig ist, zum Beispiel

  67. Jürgen Englert

    die Tankinnenreinigung am Lkw oder die Wartung eines Plansichters, leuchtet die Aufgabe für den Zuständigen rot auf,

  68. Jürgen Englert

    ebenso für die QS-Mitarbeiterin und mich. Für die Aufgabe gibt es ein Zeitfenster. Ist sie abgehakt, wird sie grün; andernfalls bleibt sie rot und man muss nachfragen. Für das Team ist wichtig:

  69. Jürgen Englert

    Man darf das nicht als

  70. Jürgen Englert

    Druck verstehen. Die Mitarbeitenden haben innerhalb eines Zeitfensters Freiraum. Es kommen so viele Dinge auf uns zu, wie auch im vorherigen Vortrag von Herrn Gehrke zu hören war. Wir können uns nicht alles merken, was wann fällig ist.

  71. Jürgen Englert

    Bei uns war die Flut zu groß. Das System erinnert uns daran, welche Aufgaben fällig sind.

  72. Jürgen Englert

    Auch die Untersuchungen der Lkw, etwa die Hauptuntersuchung, sind im System dokumentiert.

  73. Jürgen Englert

    Der hohe Zeitaufwand für Überblick, Status, Vollständigkeit und Kontrolle der Dokumentation

  74. Jürgen Englert

    hat sich

  75. Jürgen Englert

    deutlich reduziert. Das merken wir auch bei IFS- und GMP-Zertifizierungen.

  76. Jürgen Englert

    Es hat auch einen Nachteil: Wir waren viel zu schnell fertig. Ich muss meine QS-Mitarbeiterin manchmal bremsen, damit sie nicht alles sofort findet. Wenn Prüfer früh fertig sind, kommen sie auf andere Gedanken. Bei der letzten IFS-Prüfung sollte es bis halb fünf dauern; um drei war der Prüfer fertig und wollte noch einmal in den Betrieb. [Unverständliche Passage.] Daran muss man seinen Rhythmus anpassen und einen Gang herunterschalten, weil die Auditoren …

  77. Jürgen Englert

    Ich hätte nicht gedacht, dass die Akzeptanz so groß ist. Aber wenn sie den Haken sehen,

  78. Jürgen Englert

    ist das für sie in Ordnung.

  79. Jürgen Englert

    Früher haben sie sich in die handschriftlichen A4-Dokumente vertieft.

  80. Jürgen Englert

    Jetzt ist da ein Haken und alles ist gut.

  81. Jürgen Englert

    Der Fernzugriff ist von überall möglich.

  82. Jürgen Englert

    Die Nutzung ist einfach und intuitiv.

  83. Jürgen Englert

    Die Aufgaben können am PC oder Tablet bearbeitet werden; die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden ist eine andere.

  84. Jürgen Englert

    das System

  85. Jürgen Englert

    kann auf Abläufe und Wünsche angepasst werden. Herr Hummel setzt die Dinge so um, wie es für den Betrieb erforderlich ist. Das ist wichtig.

  86. Jürgen Englert

    Audits gehen schneller und unkomplizierter; den möglichen Nachteil habe ich schon angesprochen. Der Status aller Aufgaben ist transparent und übersichtlich.

  87. Jürgen Englert

    Nichts geht vergessen. Das ist wichtig,

  88. Jürgen Englert

    weil man erinnert wird. Was die Zukunft bringt, ist wieder Hummels Part. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

  89. Andreas Hummel

    Was bringt die Zukunft und worauf bauen wir auf? Das System läuft bei Herrn Englert seit zweieinhalb Jahren. Gestern habe ich nachgesehen: Inzwischen wurden rund 15.000 Aufgaben in Advactory erledigt.

  90. Andreas Hummel

    Der Betrieb ist über die Jahre gewachsen und nicht von der Annahme bis zur Verladung automatisiert. Die verschiedenen digitalisierten Prozesse sind ein Zwischenschritt und eine Grundlage. Ich habe Daten von Herrn Englert in unser KI-Testsystem eingelesen; es ist noch nicht live. Anhand seiner Anrissliste fragte ich, welche Mehlbehandlungsmittel am 31. März im Einsatz waren. Die Auswertung nannte Ascorbinsäure, Weizen- und Roggenmalzmehl sowie die Anrissdaten. Datum, Uhrzeit und Menge waren eingetragen. Die optionale Chargennummer hatte er nicht eingegeben, sondern die Säcke und Etiketten mit dem Handy fotografiert. Früher musste ich für jedes Produkt die Zettel im Betrieb suchen; jetzt lässt sich die Information gesammelt abrufen. Bei Audits muss man sich allerdings beherrschen, wie Herr Englert sagte. Aber

  91. Andreas Hummel

    die Auditoren schätzen die Transparenz. Bis jetzt wurde sie keinem Betrieb zum Nachteil ausgelegt. Man spricht auf Augenhöhe.

  92. Andreas Hummel

    In Luxemburg werden Laborwerte in Advactory erfasst. Früher wurden sie auf Papier notiert, in Excel übertragen und für jeden Kunden einzeln Analysezertifikate in Word erstellt. Kunden benötigen unterschiedliche Produktnamen, Kennwerte, Grenzwerte und Sprachen. Wir sind so weit, dass ab 1. Januar Analysezertifikate mithilfe von Advactory automatisch erstellt werden sollen. Eine Mitarbeiterin, die zum Jahresende in Rente geht, wird dann nicht ersetzt, weil wir das abbilden können.

  93. Andreas Hummel

    Die KI soll bei täglichen Aufgaben unterstützen. Sie nimmt uns keine Entscheidungen ab, hilft aber dabei, sie zu treffen – dem Betriebsleiter, dem Müller in der Produktion oder im Qualitätsmanagement. Ein künftiges Beispiel wäre die Frage, was sich von 2026 auf 2027 im IFS-Standard geändert hat und welche Prozesse in Advactory angepasst werden müssten. Solche Aufgaben könnten künftig

  94. Andreas Hummel

    das Leben einfacher machen. Was wir heute digitalisieren, ist die Grundlage für die Intelligenz von morgen.

  95. Andreas Hummel

    Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

  96. Moderation

    Vielen Dank, Andreas und Jürgen. Mir hat die Vorstellung von Advactory vor zwei oder drei Jahren schon gefallen. Ich freue mich, dass es hier in der Nähe umgesetzt wurde.

  97. Moderation

    Frage: Weg vom Papier hin zur digitalen Version.

  98. Moderation

    Kann ich inzwischen mit KI alte Dokumente einlesen, archivieren oder neu erstellen, egal ob Word, Excel, PDF oder handschriftlich?

  99. Andreas Hummel

    In vielen Betrieben ist die Zettelwirtschaft über Jahre gewachsen. Vielleicht waren drei verschiedene Qualitätsmanager zuständig. Jeder hat dieselbe Zertifizierung, macht es aber anders. Wir hatten

  100. Andreas Hummel

    Einführungen von Advactory, bei denen wir die Dokumente ausgedruckt und im Besprechungsraum zu Stapeln für Reinigung, Wartung und andere Bereiche sortiert haben. Dann fragten wir:

  101. Andreas Hummel

    Macht es Sinn, alles eins zu eins zu übernehmen? Advactory funktioniert nur, wenn jeder Nutzer im Betrieb einen Vorteil hat, nicht nur der Chef. Wenn ein Müller bisher drei Schritte braucht und künftig zwei, wird er das System nutzen. Wird es ein Schritt mehr, wird er es ablehnen. Man kann Dinge übernehmen, wo es Sinn ergibt. Eine bisher separate Sicherheitsanweisung gehört für mich beispielsweise zu der Arbeit, die ausgeführt wird. Wir versuchen, aus mehreren Dokumenten eines zu machen und den Apparat sinnvoll zu verschlanken.

  102. Jürgen Englert

    Wenn man von Papier auf digital umstellt, sollte man fragen:

  103. Jürgen Englert

    Ist das, was wir tun, noch sinnvoll? Das ist der Zeitpunkt, um auszumisten, zu optimieren und zu verbessern, statt alles eins zu eins zu übernehmen.

  104. Moderation

    Wunderbar. Ich denke, im Auditorium gibt es bestimmt Fragen.

  105. Moderation

    Wer möchte fragen? Sie haben jetzt die Gelegenheit.

  106. Moderation

    Dann stelle ich noch eine Zwischenfrage: Wir hatten vorhin die Gefährdungsbeurteilung. Inwieweit lassen sich Betriebsanweisungen oder Unterweisungsnachweise einbinden?

  107. Andreas Hummel

    Advactory ist ein Baukastensystem. Wir haben verschiedene Müller besucht, die unterschiedliche Ansichten haben. Daraus können wir Prozesse so bauen, wie sie für den jeweiligen Betrieb passen. Auch eine Gefährdungsbeurteilung lässt sich im Baukasten zusammenstellen.

  108. Publikum

    Wie lange hat es insgesamt gedauert? Ich habe zwei Jahre gehört. [Unverständliche Passage über den Pilotbetrieb und Herrn Englert.] Wie lange würde es dauern, wenn ich es als Müller einführen wollte?

  109. Andreas Hummel

    Wir haben im Februar angefangen und waren im März oder April live, also über zwei Monate verteilt.

  110. Andreas Hummel

    Es hängt von der Betriebsgröße ab. Bei kleineren Betrieben kann es in drei Tagen laufen. Größere Unternehmen sollte man schrittweise angehen. In Luxemburg, mit ungefähr 80 bis 90 Mitarbeitenden, haben wir mit dem Qualitätsmanagement begonnen, dann Müller, Magazin und Lkw-Fahrer hinzugenommen. So haben wir es über ein Jahr Stück für Stück aufgebaut.

  111. Publikum

    Wie ist es in der Praxis? Der Müller reinigt die Netzschnecke und dokumentiert es mit einem Foto – habe ich das richtig verstanden?

  112. Andreas Hummel

    Kann man.

  113. Publikum

    Gibt das System auch vor, was zu tun ist, und erteilt Anweisungen? Oder dokumentieren die Leute nur, was sie getan haben?

  114. Jürgen Englert

    Wir geben Zeitintervalle vor, bei der Netzschnecke beispielsweise monatlich oder halbjährlich. Das lässt sich je nach Betrieb individuell festlegen. Dazu gibt es ein Zeitfenster, etwa

  115. Jürgen Englert

    zwei Wochen. In diesem Zeitraum soll der Mitarbeiter die Aufgabe umsetzen und wird darüber informiert.

  116. Jürgen Englert

    Wird sie nicht erledigt, erscheint sie irgendwann rot. Die Zeiträume sind für jede Tätigkeit individuell wählbar.

  117. Andreas Hummel

    Ich kann selbst wählen: Bekommt der Mitarbeiter nur die Aufgabe, die Netzschnecke zu reinigen, und setzt einen Haken? Oder erhält er vorher eine Anweisung, etwa zur Sicherung des Vorortschalters, und muss das dokumentieren? Jeder Kunde macht es anders.

  118. Publikum

    Jeder macht es anders.

  119. Moderation

    So, wo bewegen wir uns da mit den Kosten

  120. Moderation

    für so 'nen mittelständischen Betrieb?

  121. Andreas Hummel

    Das Ganze hat drei Kostenblöcke. Zunächst die Initialisierung mit Grundgebühr. Der erste Schulungsteil findet online statt und dauert ungefähr eine bis anderthalb Stunden. Bei Mühlen komme ich meist für zwei Tage in den Betrieb. Wir legen Beispiele für verschiedene Abläufe an, die sich anschließend kopieren und weiter ausrollen lassen, ob ich eine Netzschnecke oder einen Sichter reinige. Die Initialkosten einschließlich Schulung und drei Monaten Support liegen bei etwa 5.000 bis 12.000 Euro, abhängig von Aufwand und Fahrtkosten. Bei Kleinstbetrieben geht es auch vollständig online. Dazu kommen laufende, nach Nutzerpaketen gestaffelte Lizenzgebühren. Für Kleinstbetriebe liegen sie bei ungefähr 100 bis 120 Euro im Monat. Je mehr Nutzer, desto mehr

  122. Andreas Hummel

    kostet es. Der dritte Block sind Sonderlösungen wie die gezeigte Ausbeuterechnung. Wir schauen, welche Werte der Kunde sehen will und welche Sensorik am Markt verfügbar ist; der Aufwand wird angeboten.

  123. Moderation

    Rudi?

  124. Publikum

    Jürgen hat einen Zuschuss erwähnt. Welcher ist das und wie hoch ist die Förderung?

  125. Jürgen Englert

    Das war oder ist der Digitalbonus, und das waren …

  126. Andreas Hummel

    Ich glaube, 35 Prozent der Initialkosten und der laufenden Kosten des ersten Jahres. [Redaktion: Diese Förderangabe ist nicht unabhängig geprüft.]

  127. Moderation

    Der ist auch momentan noch abrufbar.

  128. Jürgen Englert

    Bis 2027. [Redaktion: Diese Förderangabe ist nicht unabhängig geprüft.]

  129. Moderation

    Ja, bis Ende 2027. Ich war vor

  130. Moderation

    drei Tagen bei einer Präsentation der Handwerkskammer Regensburg zur E-Rechnung; dabei wurde auch der Digitalbonus vorgestellt. [Redaktion: Diese Förderangabe ist nicht unabhängig geprüft.]

  131. Moderation

    von den zwei Versionen, die es gibt, würde ich immer die Grundversion nehmen. Da kriegt man zwar weniger Zuschuss als bei dieser Digital Plus, aber Digital Plus ist ein Riesengeschiss. Also da braucht man schon was Innovatives, dass das überhaupt genehmigt wird. Ansonsten Antragstellung immer zum Ersten des Monats, also zum ersten Werktag im Monat. Es empfiehlt sich, bis spätestens Mitte des Monats seinen Antrag durchzuhaben, sonst sind die Mittel weg. Also momentan schaut's so aus, dass immer so bis zehnten, zwölften, vielleicht fünfzehnten noch Mittel da sind. Ansonsten geht's dann erst wieder im nächsten Monat. Das übliche Antragstellung, also muss beantragt werden, dann erst darf ich was bestellen, also vorher nichts bestellen. Und wer es in dem Zusammenhang mit E-Rechnung nutzen will, nicht in den Antrag E-Rechnung reinschreiben, sondern dann ist das irgendeine Erweiterung, irgendein Erweiterungsmodul, wo zufällig die E-Rechnung mit drin ist. So als kleiner Tipp zwischen den Zeilen. [Redaktion: Diese Förder- und Antragshinweise sind nicht unabhängig geprüft.]

  132. Moderation

    Die E-Rechnung ist nicht förderfähig,

  133. Moderation

    weil das ist eine Aufgabe, die das Unternehmen erfüllen muss gesetzlicherseits und damit gibt's keine Förderung. Aber wenn das irgendwo zufällig mit drin ist, nicht dass ihr da 'ne große Glocke hängt, dann läuft's da mit durch. So als kleiner Tipp. [Redaktion: Diese Förder- und Antragshinweise sind nicht unabhängig geprüft.]

  134. Andreas Hummel

    Förderprogramme unterscheiden sich nach Bundesland; auch in Österreich gibt es teilweise Fördermittel. Wir haben Kunden, die 60 Prozent der Kosten erstattet bekommen haben. Wenn ich einen Ausbeuterechner in der Cloud visualisiere, ist es eine Digitalisierungsmaßnahme. Habe ich ihn auf dem Rechner, ist es eine Modernisierungsmaßnahme. Somit ist es vollständig einschließlich der Sensorik förderfähig. [Redaktion: Diese Förderangaben sind nicht unabhängig geprüft.]

  135. Moderation

    Das Kind muss richtig heißen.

  136. Moderation

    Wer einen Antrag stellt, sollte vorher mit uns oder einem Sachbearbeiter bei der Handwerkskammer sprechen. Die können euch [Wort unklar], wie man das hindrehen muss.

Ende des aufgezeichneten Texts bei 43:48.

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