Dokumentieren, wo die Arbeit anfällt
Dokumentieren, wo die Arbeit anfällt
0:00Reinigung, Wartung und Mehlbehandlung direkt am Handy dokumentieren: Jürgen Englert berichtete in Volkach über die Umstellung in seinem Mühlenbetrieb. Andreas Hummel von Advactory zeigte, wie digitale Betriebsdaten auch eine Grundlage für KI-Anwendungen schaffen können.

Die Arbeit war erledigt, der Eintrag fehlte: Jürgen Englert von der Gründleinsmühle in Obervolkach schilderte bei der Volkacher Müllerei-Fachtagung ein Problem seiner früheren Papierdokumentation. Nach einer Magnetkontrolle im dritten Stock kamen bis zum Büro bereits andere Aufgaben dazwischen. Heute dokumentieren die Mitarbeitenden solche Arbeiten unmittelbar am Handy. Gemeinsam mit Andreas Hummel vom Softwareanbieter Advactory stellte Englert die Umstellung vor.
Nach Englerts Darstellung sind inzwischen mehr als 90 Prozent der bisherigen Papierdokumentation im System hinterlegt. Reinigungs- und Wartungsaufgaben erhalten betriebsindividuelle Zeitfenster; überfällige Tätigkeiten erscheinen rot. Die Qualitätssicherung kann den Stand am Rechner prüfen. Bei Mehlbehandlungsmitteln fotografieren die Mitarbeitenden das Sacketikett und dokumentieren den Anbruch. Einzelne Bücher in der Getreideannahme und Mehlverladung behält der Betrieb bewusst bei, weil sich bestimmte Angaben dort für ihn schneller nachschlagen lassen.
Hummel erläuterte, dass Digitalisierung auch mit vorhandenen Maschinen funktionieren müsse. Am Beispiel einer älteren Durummühle in Luxemburg zeigte er, wie sich Waagendaten verschiedener Generationen zusammenführen lassen. Ergänzende Sensorik liefere Werte, die bislang nicht in der Steuerung vorlagen. Durch die Verbindung von Durchsatz und Stromverbrauch werde der Energiebedarf je Tonne auswertbar. Daraus lasse sich auch erkennen, welcher Verbrauch außerhalb der eigentlichen Produktion anfällt.
Welche Auswertungen daraus entstehen könnten, demonstrierte Hummel an einem KI-Testsystem mit Englerts Betriebsdaten. Auf die Frage nach den an einem bestimmten Tag eingesetzten Mehlbehandlungsmitteln lieferte es eine Übersicht mit dokumentierten Angaben und Fotos. Hummel stellte ausdrücklich klar, dass dieses Testsystem noch nicht live sei. KI solle Entscheidungen unterstützen; bei selbsttätigen korrigierenden Eingriffen in den Prozess äußerte er Vorbehalte.
In der Fragerunde nannte Hummel für die Einführung einschließlich Schulung und drei Monaten Unterstützung etwa 5.000 bis 12.000 Euro, abhängig vom Aufwand. Für Kleinstbetriebe lägen die laufenden Lizenzkosten bei etwa 100 bis 120 Euro monatlich; größere Nutzerpakete und zusätzliche Sensorlösungen würden gesondert kalkuliert. Dies sind Anbieterangaben aus dem Vortrag.
Alte Formulare unverändert zu digitalisieren, hielten beide Referenten für den falschen Ansatz. Die Umstellung biete Gelegenheit, Abläufe zu prüfen und Dokumente zusammenzuführen. Für die Akzeptanz müsse auch die Arbeit der Mitarbeitenden einfacher werden. Englert empfahl, diese Überarbeitung unmittelbar mit dem Wechsel vom Papier zur digitalen Dokumentation zu verbinden.