Markttrends bei Dinkel, Emmer und Einkorn

Michael Sailer · SLP, Tapfheim

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  1. Moderation

    Den nächsten Vortrag hält Herr Michael Sailer, SLP. Er berichtet uns über aktuelle Markttrends bei Dinkel, Emmer, Einkorn. Herr Sailer, Sie sind ja Profi in diesem Bereich. Wir sind mal gespannt, was Sie uns zu berichten haben. Herr Sailer, Sie haben viele Jahre Erfahrung in dieser Branche und Dinkel ist eine interessante Frucht, Emmer und Einkorn genauso. Bitte, Herr Sailer.

  2. Moderation

    Legen Sie los.

  3. Michael Sailer

    Ja, Herr [unverständlich], danke für die Begrüßung. Grüß Gott zusammen hier. Sie sagen es: lange Jahre Erfahrung im Dinkel. Dazu möchte ich ein bisschen was sagen. Also ich komme von der Firma SLP, ansässig an meinem landwirtschaftlichen Betrieb in Tapfheim bei Donauwörth. Die Dinkelschälmühle befindet sich in Würzburg im Hafen und ich habe sonst noch ein paar Erfassungsstandorte.

  4. Michael Sailer

    ich kann nächstes Jahr meine vierzigste Dinkelernte einfahren und die sollte auch stattfinden, weil der Dinkel ist jetzt ausgesät. Und ich habe das da Ende der achtziger Jahre hobbymäßig angefangen mit zwei Hektar und hab das dann bis Ende der neunziger Jahre gesteigert, hab dann Vertragsanbau gemacht, die ersten zehn Jahre nur konventionell, ab neunzehnhundertachtundneunzig auch Bio und habe das immer noch nebenbei gemacht. Ich war lange Jahre hauptberuflich in der Mischfutterbranche tätig

  5. Michael Sailer

    und

  6. Michael Sailer

    in den ersten zehn, zwölf Jahren gab es jedes Jahr eine Steigerung im Dinkel, alles ist gut gelaufen. Dann hab ich mir immer gedacht, aber investieren tu ich jetzt da momentan nix, weil das könnte ja eine kurzfristige Modeerscheinung sein, dieser Hype könnte ja wieder abklingen, aber er ist nicht abgeklungen, wie wir jetzt wissen. Er ist voll am Leben. Und als ich dann

  7. Michael Sailer

    neunzehnhundertneunundneunzig zehntausend Tonnen Dinkelkörner im Jahr verkauft habe,

  8. Michael Sailer

    hatte ich außer einem gebrauchten LKW nix investiert in das Dinkelgeschäft, alles mit Subunternehmen gemacht und dann war es mal, da ist dann auch Aldi in Dinkelprodukte im großen Stil eingestiegen und dann war es mir klar, dass man in Dinkel investieren muss, um da bestehen und wachsen zu können. Und das haben wir dann auch gemacht. Dann haben wir damals in Würzburg diese Dinkelschälmühle in Betrieb genommen mit damals hundertfünfzig Tonnen Leistung in vierundzwanzig Stunden. Wir sind viel belächelt worden wegen der Größe, also nicht wegen der kleinen Größe, sondern wegen der großen Größe. Jeder hat gesagt, wie will er denn so viel Dinkel haben und so viel Dinkel verkaufen? Das geht ja gar nicht, da muss er ja pleitegehen. Nee, nach zwei Jahren haben wir uns schon wieder erweitert in Würzburg und die Jahre haben wir immer wieder erweitert. Also,

  9. Michael Sailer

    wenn jetzt das Thema lautet, aktuelle Markttrends bei Dinkel, Emmer und Einkorn, dann ist der Trend seit den knapp vierzig Jahren, wo ich Dinkel mache, immer ungebrochen nach oben gegangen. Die Schwankungen waren mal größer, mal kleiner in den Mengen, aber es ging immer vorwärts. Also ich gehe jetzt mal auf Dinkel ein. Emmer und Einkorn ist ja im Verhältnis zum Dinkel relativ wenig. Da sage ich dann zum Schluss auch noch was dazu. Aber jetzt mal der Dinkelanbau Ernte sechsundzwanzig.

  10. Michael Sailer

    Ich muss dazu sagen, diese Zahlen, die sind auf Deutschland und EU bezogen relativ sicher. Auf die Welt bezogen sind sie schon sehr stark geschätzt, aber ich bin in der ganzen Dinkelwelt unheimlich gut vernetzt und deshalb sind auch diese Rest-der-Welt-Zahlen relativ zutreffend. Also wir haben weltweit einen Dinkelanbau Ernte sechsundzwanzig von vierhundertsechsundvierzigtausend Hektar, davon die EU dreihundertfünfundvierzigtausend Hektar. Deutschland ist wiederum das größte EU-Land. Also ich habe da eine Folie, wo ich diese anderen EU-Länder darstelle, mit hundertvierundfünfzigtausend Hektar.

  11. Michael Sailer

    Der Rest der Welt, also das sind die wichtigsten Erzeugerländer, wobei man dazu sagen muss, Dinkel findet man in allen Weizenanbauländern der Welt, aber das sind eben diese Länder, die Marktbedeutung haben. Kommt die Ukraine mit zweiunddreißigtausend Hektar, überwiegend Bio. Die Ukraine hat da in Bezug auf Markt so eine Zwitterstellung. Also ein Teil wird in die EU verkauft, ein Teil wird auch im Weltmarkt verkauft.

  12. Michael Sailer

    Die USA dreißigtausend Hektar, überwiegend konventionell, also wird in den USA verbraucht. Kanada fünfundzwanzigtausend Hektar, nahezu nur Bio, wird sehr stark in die USA exportiert, aber auch in andere Länder. Australien sechzehntausend Hektar, nahezu nur konventionell, wird auch sehr stark im Land und in Ozeanien verbraucht. Und dann habe ich noch Serbien dazugenommen, nachdem das nicht zur EU gehört, dreitausend Hektar, wobei diese Mengen wieder stark in die EU laufen. Bewusst habe ich jetzt die Schweiz hier nicht dazugenommen, was ja auch außerhalb der EU ist, aber das kommt jetzt mit der nächsten Folie dann.

  13. Michael Sailer

    Dinkelanbaufläche EU,

  14. Michael Sailer

    plus Ukraine, jeweiliges Erntejahr, die Entwicklung der letzten Jahre. 2023 hatte der Dinkelanbau in der EU den absoluten Höhepunkt erreicht mit dreihundertfünfundfünfzigtausend Hektar. Das war dann doch etwas viel und die Preise sind eingebrochen. Wobei man sagen muss, die Dinkelpreise, die gehen rauf und runter, wie es gerade lustig ist, aber irgendwann fließen die Mengen immer ab. Es musste noch nie Dinkel vernichtet, entsorgt oder sonst was werden. Also letztlich nimmt ihn der Markt immer auf. Es ist nur eine Zeitfrage, bis ihn der Markt aufnimmt. Ja, das führte dann '24 zu einer kräftigen Reduzierung um sechsundzwanzig Prozent.

  15. Michael Sailer

    Dann ging es für die Ernte '25 wieder nach oben, um neunzehn Prozent und die Ernte '26 war dann eine Steigerung wieder um zweiundzwanzig Prozent auf dreihundertfünfundsiebzigtausend. Die Schätzung, also meine Schätzung, die geht für die Ernte '27 auf vierhundertzwanzigtausend Hektar, also Steigerung um zehn Prozent gegenüber der Ernte '26. Wobei

  16. Michael Sailer

    es gab enorme Prognosen, welche Riesenmengen Dinkel für die Ernte '27 ausgesät werden. Das hat sich aber etwas relativiert, weil inzwischen der Weizenpreis wieder lukrativer geworden ist und dadurch haben sich viele Landwirte, die sicherlich Dinkel für die Ernte '27 aussäen wollten, etwas zurückgehalten.

  17. Michael Sailer

    Ja, der Dinkelanbau in der EU, Ernte '26. Die Zahlen sind also relativ exakt und stammen aus den Ländern.

  18. Michael Sailer

    Deutschland also ganz klar hundertvierundfünfzigtausend. Ich habe es jetzt in der Reihenfolge der Hektarzahlen aufgeführt. Deutschland hat ungefähr zwei Drittel konventionell in der Fläche und ein Drittel Bio.

  19. Michael Sailer

    Österreich hat sehr stark Bio. Ungarn hat auch überwiegend sehr stark Bio mit achtundzwanzigtausend Hektar. Benelux habe ich zusammengefasst. Das ist ganz überwiegend konventionell. Italien achtzehntausend Hektar, auch gemischt eigentlich. Rumänien sechzehntausendfünfhundert, überwiegend Bio. Bei Frankreich ist es dann ein wenig schwierig. Frankreich war eigentlich noch nie so ein richtiges Dinkelland. Frankreich war immer schon ein starkes Einkornland und da sind diese vierzehntausend Hektar offensichtlich Dinkel und Einkorn zusammen, wobei da durchaus die Hälfte davon Einkorn sein kann. Tschechien siebentausendachthundert, Polen sechstausend, Slowakei fünftausendfünfhundert, dann die baltischen Staaten Estland, Lettland, Litauen, ganz stark Bio. Bei Bulgarien ist auch noch die Frage, ob vielleicht Einkorn mit drinsteckt. Spanien, Portugal, wobei das, ja, sage ich, achtundneunzig, neunundneunzig Prozent Spanien sein wird. Portugal ist da unbedeutend. Dänemark dreitausend Hektar, Kroatien zweitausendachthundert, überwiegend Bio. Schweden sechzehnhundert, Finnland,

  20. Michael Sailer

    tausend, Slowenien, Irland, weiß ich nicht, aber minimal. Und dann gibt es noch diesen Sondermarkt Schweiz. Also die Schweiz baut irgendwo selber siebzehntausend Hektar Dinkel an, importiert aber Dinkel im ganz großen Stil, also eigentlich nur Rohware, weil die Schweizer Zollbestimmungen eben die Kerne sehr stark besteuern, die eingeführt werden oder sehr viel Zoll anfällt. Also ist der Kernimport in die Schweiz relativ uninteressant.

  21. Michael Sailer

    Somit kommen wir in der EU mit der Schweiz auf dreihundertfünfundvierzigtausend Hektar.

  22. Michael Sailer

    Jetzt schauen wir uns noch die Bundesländer an und diese Bundesländerzahlen, die sind also sehr, sehr exakt, weil wir die aus den Mehrfachanträgen kriegen. Also wenn man hier

  23. Michael Sailer

    Statistiken glauben will, das Statistische Bundesamt veröffentlicht eigentlich immer unmögliche Zahlen. Das habe ich nachher auch noch einmal in einer Folie, wie die Zahlen oft verwirrend sind. Aber diese Zahlen entsprechen jetzt den Anbauverhältnissen aus den Mehrfachanträgen.

  24. Michael Sailer

    Und da ist eben Bayern mit vierundvierzigtausend siebenhundert sechsundzwanzig seit, kann man sagen, zehn, fünfzehn Jahren das stärkste Bundesland. Wobei, [lacht] ich sehe gerade, die Folie von Baden-Württemberg stimmt nicht. Das sind achtunddreißigtausend. Moment, ich hab's, glaube ich, da.

  25. Michael Sailer

    Moment, nee, habe ich jetzt nicht da. Aber

  26. Michael Sailer

    in Baden-Württemberg sind es achtunddreißigtausend einhundertsechzig Hektar, also davon neunzehntausend Bio. Da ist ein Fehler in meiner Folie drin, habe ich nicht hingeschaut. Niedersachsen dreizehntausend neunhundertzwanzig, Nordrhein-Westfalen achttausend vierhundertzwölf, Sachsen-Anhalt auch sehr stark, Thüringen, Sachsen. Bei Hessen habe ich auch wieder eine Zahl, wie viel Bio ist. Diese dreitausendeinhundertzwanzig von fünftausendsiebenhundertachtzehn Hektar.

  27. Michael Sailer

    Und Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Schleswig-Holstein, Brandenburg. Also die Stadtstaaten haben wir jetzt mal außen vor gelassen in der Statistik, die sind nicht wichtig. So schaut's in den Bundesländern aus.

  28. Michael Sailer

    Bayern ist sehr stark. Also Bayern hat ungefähr dreißig Prozent des deutschen Dinkelanbaus und Bayern und Baden-Württemberg miteinander haben eben irgendwo sechzig Prozent. Und das bedeutet, dass die Ernteergebnisse aus diesen beiden Bundesländern natürlich sehr entscheidend sind für den Dinkelmarkt. Und insgesamt ist natürlich Deutschland sehr entscheidend für den Dinkelmarkt in der EU und, ja, sogar für den Weltmarkt. Man kann also auch dazu sagen,

  29. Michael Sailer

    wenn ich jetzt die Weizenmärkte anschaue und gehört habe weltweit, USA, Russland, Ukraine, Australien, Argentinien und so weiter. Also der Dinkelweltmarkt ist eigentlich übersichtlicher als der Weizenweltmarkt. [lacht] Ja, das ist so eine Geschichte, wo ich gerade gesagt habe, es geistern im Dinkel so viel Flächen und so viel Prognosen umeinander. Also da, wenn du jeden Tag dein Marktverhalten anpassen würdest, da hättest du jeden Tag irgendeine Schieflage. Da war zum Beispiel was in den Meldungen, das war sogar vom Bundesministerium für Landwirtschaft gestützt. Da tauchte was auf für 2025. Für die Ernte 2026 wurden angeblich in Deutschland neuntausendsechsundzwanzig Hektar Dinkel angebaut. Also das wird allein in Bayerisch-Schwaben schon angebaut, diese neuntausend Hektar. Und, ja, also das stiftet totale Verwirrung. Oder was dann noch eine verrückte Geschichte war, was da durch die Gazetten gegangen ist dieses Jahr.

  30. Michael Sailer

    Dinkel ist einer der ganz großen Gewinner in Deutschland. Das ist vom Grundsatz her richtig. Aber dann steht da: Maßgeblich für den Anstieg ist allerdings der Dinkelanbau. Die Fläche legte um einundsiebzig Prozent zu. Und wenn ich jetzt unsere Kunden anschaue und die Marktteilnehmer anschaue, im Frühjahr dieses Jahres sind diese einundsiebzig Prozent da durch die Lande gegangen. Dann hat jeder den Dinkelpreis für die Ernte '26 runtergeredet. Jeder wollte billigst Dinkel kaufen. Ich habe die Geschichte

  31. Michael Sailer

    nicht mitgemacht, weil mir klar war, dass diese einundsiebzig Prozent überhaupt nicht stimmen. Also es wurde im Dinkel eine Rekordernte ohnegleichen 2026 prophezeit und heute wissen wir alle, die hat's ja nicht gegeben. Also die Fläche hat schon um zwanzig Prozent zugenommen, aber nicht um siebzig Prozent und die Erträge haben um zwanzig Prozent abgenommen und von daher ist die Dinkelernte '26 der Menge nach ungefähr gleich wie die Dinkelernte '25.

  32. Michael Sailer

    Jetzt zum Markt, zum Verbrauch. Weizenmehl inklusive Hartweizen hat einen Pro-Kopf-Verbrauch derzeit von vierundsechzig Kilo pro Kopf, ist rückläufig. Dinkelmehl [räuspert sich] sieben Kilo pro Kopf, Verbrauch steigend, Roggenmehl sechs Kilo, stagnierend. Also irgendwann die letzten Jahre hat der Pro-Kopf-Verbrauch von Dinkelmehl den von Roggenmehl überholt.

  33. Michael Sailer

    Und wenn man dann da eine Bilanz zieht,

  34. Michael Sailer

    je nachdem, wie viel Mehl oder Vollkorn bei Dinkel läuft: Wenn man den Pro-Kopf-Verbrauch auf die achtzig Millionen hochrechnet, kommt man auf fünfhundertsechzigtausend Tonnen Dinkelmehl im Jahr in Deutschland. Und wenn man das dann wieder auf die Kerne hochrechnet, dann braucht man in Deutschland ungefähr siebenhunderttausend Tonnen Dinkelkerne im Jahr. Ich hab jetzt net differenziert zwischen Bio und konventionell, ist schwierig zu differenzieren, aber wenn man jetzt davon ausgeht, dass man Bio und konventionell im Schnitt einen Ertrag hat von vier Komma fünf Tonnen Dinkelkörner pro Hektar, dann haben wir in Deutschland einen Bedarf von hundertfünfundfünfzigtausend Hektar und das entspricht eigentlich wieder genau der derzeitigen Anbaufläche. Der Bedarf ist gedeckt, aber,

  35. Michael Sailer

    Deutschland ist der größte Dinkelexporteur weltweit und Deutschland ist auch der größte Dinkelimporteur weltweit. Und der Dinkelexport und der Dinkelimport in Deutschland halten sich die Waage. Also der Markt in Deutschland ist ausgeglichen. Also diese hundertfünfundfünfzigtausend Hektar, die braucht man irgendwo.

  36. Michael Sailer

    Jetzt, wo wird Dinkel eingesetzt in Deutschland? Zweitausendfünfundzwanzig. Ich hab mal die Zahlen von der Gesellschaft für Konsumforschung geholt. Backmischungen zweiundvierzig Prozent. Und da muss man dazu sagen, als so um das Jahr zweitausend rum die großen Backmittelhersteller, also die ja, wie Sie alle wissen, die Bäckereien mit Backmischungen beliefern, als die da in Dinkelbackmischungen eingestiegen sind, da ging dann der Markt enorm hoch. Also das war ein enormer Markttreiber, der Einstieg. Aber ich sag jetzt mal, quer durch alle Verwendungen hat eine Verwendung die andere hochgetrieben. Ich lese also jede Woche die Lebensmittelzeitung seit zig Jahren und da steht fast jede Woche irgendwas über Dinkel und Dinkelprodukte drin und dass die gut laufen und immer mehr laufen. Also da treibt eines das andere an. Bäckereien dreiundzwanzig Prozent, Dinkelmehle, Lebensmittelhandel, Naturkost, Mühlenläden, Direktvermarkter fünfzehn Prozent, Teigwaren, Nudeln acht Prozent, Müsli

  37. Michael Sailer

    sieben Prozent, Lebensmittelhersteller, Gebäck, Riegel drei, sonstiges Malz zwei Prozent. So setzt sich der Einsatz von Dinkel in Deutschland zusammen.

  38. Michael Sailer

    Jetzt zur Entwicklung des Backwarenverbrauchs in Deutschland nach Menge. Die zwei Jahre vierundzwanzig, fünfundzwanzig, gegenüber zweiundzwanzig, dreiundzwanzig. Da haben wir also Brotbackwaren und Feinbackwaren, also nicht Feinkostwaren, sondern Feinbackwaren muss es heißen. Konventionell und Bio hatten ein Minus von zwölf Komma acht Prozent. Das hört man immer wieder, dass die Verzehrsgewohnheiten da etwas weggehen in andere Bereiche. Aber Biobackwaren, Brot und Feingebäck haben also plus sieben Prozent gemacht in den Jahren. Wobei diese Biobackwaren stecken ja in dieser Minusgeschichte wieder mit drin und die Dinkelbackwaren unten mit zehn Komma vier Prozent, die stecken auch in dem Minus ja mit drin. Also das Minus oben wäre ohne diese Biobackwaren und ohne diese Dinkelbackwaren noch etwas größer. Dinkelbackwaren haben ein Plus von zehn Komma vier Prozent gehabt und das merkt man ja auch. Dinkelabsatz ist also immer am Laufen und immer gefragt.

  39. Michael Sailer

    Ja, und jetzt zur Bewertung des Dinkelmarktes.

  40. Michael Sailer

    Bis zum Frühjahr fünfundzwanzig gab es erhebliche Dinkelüberschüsse aus den drei Ernten zuvor. Die Ernte fünfundzwanzig war mengenmäßig gut, hatte aber circa fünfzehn Prozent Auswuchsdinkel, der dann natürlich zum Teil auch ins Futter gehen musste, vielleicht der nicht so sehr ausgewachsene Dinkel, vielleicht auch mal ins Müsli, aber da war nicht alles verwertbar.

  41. Michael Sailer

    Und

  42. Michael Sailer

    dann

  43. Michael Sailer

    hat es zu einer regen Nachfrage geführt und es hat ab, ja, November fünfundzwanzig zum Preisanstieg bei Dinkel geführt, also vor allem bei konventionell, bei Bio etwas weniger. Und dieser Preisanstieg ist dann im Frühjahr so ab März, April ganz kräftig gewesen und hat bis zur Ernte sechsundzwanzig angehalten. Also vor der Ernte sechsundzwanzig war Dinkel ausverkauft und erstmals seit Jahren gab es auch keinerlei Überlagerung von Dinkel. Also die Lager waren leer. Dann kam die Ernte sechsundzwanzig. Die war europaweit qualitativ hoch, kein Auswuchs, nichts, aber sie ist mengenmäßig zwanzig Prozent unter dem Schnitt der letzten fünf Jahre gelaufen.

  44. Michael Sailer

    Somit ist dieser Anstieg der Ernteflächen von zweiundzwanzig Prozent von fünfundzwanzig auf sechsundzwanzig wieder kompensiert worden. Es gab nicht mehr Dinkel. Und jetzt meine Prognose: Dinkel wird vor der Ernte '27 wieder ausverkauft sein und es wird keine Überlagerung stattfinden.

  45. Michael Sailer

    Für die Ernte '27 wurde eine gewaltige Anbauerhöhung erwartet. Die hat aber, wie ich vorhin schon gesagt hab, nur zu ungefähr zehn Prozent stattgefunden, da die Landwirte für Weizen und Mais und auch Raps gute Preise erwarten. Was jetzt aber auch ein Problem ist, der Feldaufgang bei der Aussaat im Herbst '26. Die Aussaat von Dinkel ist ja abgeschlossen

  46. Michael Sailer

    oder weitgehend abgeschlossen und war gebietsmäßig vor allem in den Trockengebieten so schlecht, dass es Umbruch geben wird.

  47. Michael Sailer

    Und der Konsum von Dinkelprodukten, der steigt also stetig, sowohl konventionell als auch bio. Und die Dinkelpreise, die werden auf jeden Fall bis vor der Ernte '28 festbleiben. Das ist also meine persönliche Einschätzung. Aber der Dinkelmarkt ist natürlich sehr volatil

  48. Michael Sailer

    und mein Spruch ist immer: Der Dinkel ist die Kartoffel des Getreides, was den Markt anbelangt. Und ich hatte mal vor einiger Zeit einen Stellenbewerber in der Firma, der im Bereich Dinkelvermarktung sich auf eine Stelle beworben hat. Der war zehn Jahre im Kartoffelgeschäft tätig. Dann hat der gesagt: „Ja gut, ich kenn mich im Kartoffelgeschäft aus, aber im Dinkelgeschäft kenn ich mich ja gar net aus." Dann hab ich gesagt: „Ja, das ist gar net so verkehrt, weil: Wer zehn Jahre Kartoffel gemacht hat, der kann auch Dinkel machen", sag ich. Das ist das eine. Und zum anderen gibt's im Dinkelgeschäft sowieso net so viel Leute, die sich auskennen. [lacht] Und das ist tatsächlich so. Wie gesagt, da wird so viel rumphilosophiert im Dinkel und Meinungen und sonst was und Pipapo. Aber man hat's vorhin schon gehört, Bio ist der reine Markt und ich sag jetzt einmal, Dinkel ist ein noch reinerer Markt, der also voll von Angebot und Nachfrage abhängt. Das ist der Markt schlechthin. Da gibt's keine staatliche Beeinflussung, da gibt's keine EU, da gibt's keine Hilfsgelder, da gibt's gar nix. Dinkel wird erzeugt und verkauft. Gibt's zu viel, geht der Preis runter. Gibt's zu wenig, geht der Preis hoch. Und

  49. Michael Sailer

    die Mengen, die in einem Jahr zu viel da sind: Wenn man die Kraft hat, sie zu überlagern, dann gehen sie auch wieder weg und es bleibt nichts mehr übrig. Das einmal zum Dinkel. Und jetzt wollt ich noch ein wenig was zum Emmer und Einkorn sagen.

  50. Michael Sailer

    Beim Emmer ist es so, dass beginnend im Vorjahr ein richtiger Hype stattgefunden hat. Der Hype kam, ausgelöst aus Asien, hat Italien als starkes Emmer-Dicoccum-Land erfasst und hat auch uns erwischt hier. Also Nachfrage, Preise, bio, konventionell nach Emmer ohne Ende. Export, wir exportieren auch viel nach Asien und so weiter. Also super. Inzwischen hat sich die Euphorie ein bissel besänftigt. Also der Emmer ist wieder ein wenig aufm Boden der Tatsachen zurückkommen. Geht immer noch gut, ist immer noch eine gute Emmer-Nachfrage da, aber der Hype vom letzten Jahr ist weg. Der wurde jetzt abgelöst durch 'n Einkorn-Hype. Also Einkorn hat die letzten Jahre immer gewisses Schattendasein geführt und heuer, was voriges Jahr der Emmer-Hype war, ist dieses Jahr der Einkorn-Hype und jeder schreit nach Einkorn. Und warum?

  51. Michael Sailer

    Ich hab's vorhin schon dargestellt. Das Hauptproduktions- und Verbraucherland für Einkorn ist Frankreich und in Frankreich gab's eine katastrophale Einkorn-Ernte, also sehr, sehr schlecht. Und das hat natürlich diese Entwicklung ausgelöst. Wenn man jetzt dann diesen Herbst Einkorn ausgesät hätt im größeren Stil, kann's sein, dass er nächstes Jahr dann wieder überläuft. Also das ist bei diesen Urgetreiden Dinkel, Emmer, Einkorn: Nachdem bei Emmer und dann auch vor allem bei Einkorn natürlich der Markt viel enger ist und kleiner ist als bei Dinkel, wirkt sich das natürlich da umso schneller aus, ja. Also, wie gesagt, Fazit zum Trend: Der Dinkel wird nach wie vor trendig bleiben, also wird nach wie vor positiv laufen. Also auch die ganze Geschichte mit Weizendeklaration und alles, hab ich jetzt gar net groß den Eindruck, dass der dem Dinkel geschadet hat. Also Dinkel läuft und wie gesagt, der wird seinen Weg gehen und der Markt wird's einfach richten. Ja, danke schön, ja. [Applaus]

  52. Moderation

    Herr Sailer, vielen Dank für den wirklich selbstbewussten Vortrag. Man merkt, Sie sind ein Profi. Haben wir jetzt alle verstanden. Wir sind eine Dinkelfirma. Habt ihr Fragen denn über den Bereich Dinkel, Leute?

  53. Moderation

    Ja, Sie sind da hinten.

  54. Johannes Brock

    Ja, guten Tag.

  55. Johannes Brock

    Mein Name ist Johannes Brock.

  56. Johannes Brock

    Haben Sie

  57. Johannes Brock

    nach der trockenen Phase im Sommer auch festgestellt, dass die Ausbeuten schlechter geworden sind, Schälausbeuten beim Dinkel?

  58. Michael Sailer

    [leise] Ach so, hier.

  59. Michael Sailer

    Hallo? Ja. Ja, ganz, ganz eindeutig. Wir haben beim Dinkel normalerweise Schälausbeuten, sage ich, von einundsiebzig bis, also konventionell zweiundsiebzig, dreiundsiebzig, vierundsiebzig Prozent, Bio zweiundsiebzig Prozent oder so. Und das schaffen wir dieses Jahr in keiner Weise. Wir liegen

  60. Michael Sailer

    bei irgendwo sechsundsechzig, siebenundsechzig, wenn's gut geht, mal achtundsechzig Prozent. Und das ist ein Riesenkostenfaktor in der Kalkulation.

  61. Michael Sailer

    Wir haben ja beim Einkauf von den Landwirten auch die Hektolitergewichte in den Kontrakten drin. Also wir haben für Rohware ein Hektolitergewicht von achtunddreißig Kilo drin und das ist schon gar nicht einmal so hoch angesetzt. Also üblicherweise läuft ja so ein Dinkel in normalen Jahren mit zweiundvierzig, vierundvierzig Hektolitergewicht in der Rohware. Dann geht's runter bei manchen Anlieferungen bis zu einunddreißig, zweiunddreißig Prozent.

  62. Michael Sailer

    Und wenn man dann da den Landwirten einige Euros abziehen muss, dann sagen die: „Ha, das kann doch nicht sein. Das kann doch nicht sein, so viel Abzug wegen den paar Kilo Hektolitergewicht da", und so weiter. Und wenn man sich das mit den Landwirten durchrechnet, dann ist das eine gewaltige Sache. Also ich sag,

  63. Michael Sailer

    pauschal von

  64. Michael Sailer

    zweiundsiebzig, dreiundsiebzig Prozent Ausbeute auf sechsunddreißig Ausbeute runter, da muss ich für die Körner schon vier Euro mehr haben, um das auszugleichen. Auf die gesamte Dinkeljahresmenge bezogen ist das natürlich schon … Und dann kommt noch dazu,

  65. Michael Sailer

    die Ausbeute ist das eine und dann gibt's ja doch noch erhebliche Kleinkornmengen, die abgesiebt werden. Und da bist du, sagen wir, ruckzuck in der deutschen Dinkelvermarktung vielleicht bei sechs, sieben Prozent weniger verfügbare Körner aus der Rohware. Und das ist ja auch wieder ein Mengen- und Marktfaktor dann, ja.

  66. Michael Sailer

    Also da stützt sich natürlich auch meine Meinung drauf, dass der Dinkel im Frühjahr '27 ausverkauft sein wird, ja.

  67. Johannes Brock

    Ja, genau dasselbe haben wir auch festgestellt und wir verarbeiten auch paar tausend Tonnen Dinkel im Jahr.

  68. Johannes Brock

    Mir hat das immer Angst gemacht. Ich hab immer gedacht, wir machen irgendwas verkehrt, aber der Dinkel gibt das einfach nicht her.

  69. Michael Sailer

    Ja, so ist es, ja.

  70. Moderation

    War das die Witterung in dem Jahr, Herr Sailer?

  71. Michael Sailer

    Ja, die Witterung, ganz klar. Ich mein, bei uns kommt dazu, wir, SLP, wir machen ungefähr achtzig Prozent unseres Jahresbedarfs über Vertragsanbau mit Landwirten. Und die Landwirte, die wir unter Vertrag haben, sind ganz stark in Unterfranken und in Bayerisch-Schwaben, Nordschwaben, wo wir daheim sind. Bei uns in Nordschwaben war das die Dinkelernte mäßiger, aber nicht katastrophal schlecht. Aber es ist ja so, von diesen zweiundvierzigtausend Hektar bayerischem Dinkel, da wachsen ja in Schwaben und Unterfranken an die siebzig Prozent. Die großen Dinkellandkreise sind da: Donau-Ries, Dillingen, Neu-Ulm in Schwaben und dann Würzburg, [unverständlich], und was ist da, Marktheidenfeld draußen? Der Rhön-Grab, nee, wie heißt das da draußen? [lacht] [unverständlich]. Und der anbaustärkste Landkreis in Bayern ist der Landkreis Kitzingen, hat also die meisten Hektar Dinkel in Bayern. Und da ist unser großer Lagerstandort auch [unverständlich], wo wir sehr viel davon erfassen. Und Kitzingen war letztes Jahr der heißeste Landkreis in Deutschland. Also die heißesten Temperaturen wurden in Kitzingen gemessen und jetzt hat Kitzingen auch nicht die tollen Böden. Kitzingen hat etwas sandigere Böden. Also das Ochsenfurter Gau hat dann gute Böden um Würzburg rum und Ochsenfurt rum, aber der Landkreis Kitzingen hat nicht die tollen Böden. Deshalb bauen die Landwirte dort auch sehr viel Dinkel an, weil in normalen Jahren der Dinkel mit diesen Böden recht gut zurechtkommt. Aber dieses Jahr war es sehr schlecht und die, ja, mengenmäßig schlechtesten Ergebnisse und beim Hektolitergewicht schlechtesten Ergebnisse haben wir ganz klar im Landkreis Kitzingen eingefahren. Unserer Firma fehlen insgesamt aus dem Vertragsanbau dieses Jahr über zehntausend Tonnen Dinkelrohware, was wir einfach durch schlechte Erträge nicht bekommen haben aus dem Vertragsanbau, ja.

  72. Moderation

    Haben wir noch Fragen in der Runde?

  73. Moderation

    Sehe nicht.

  74. Moderation

    Dann haben wir's. Dann gehen wir in die Kaffeepause. [Applaus] Sechzehn Uhr fünfzehn geht's weiter.

Ende des aufgezeichneten Texts bei 37:07.

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