Biogetreidemärkte
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Moritz Häfele
So, als allererstes vielen Dank, dass ich hier sein darf. Vielen Dank für die Einladung und dass ich heute vor Ihnen sprechen darf.
Moritz Häfele
Ich steige mal so ein. Wir haben jetzt sehr viel über die internationalen Märkte gesehen, sehr viel über die Matif. Und jetzt kommen wir zu einem ganz anderen Markt, und zwar zum Biomarkt. Wir haben ja auch ein paar bekannte Gesichter aus dem Biomarkt hier sitzen, die ihn intensiver kennen.
Moritz Häfele
Wir haben keine Matif, an der wir uns festhalten können, an der wir Prämien handeln können. Es gab eine Mühle, die hat es die letzten Jahre probiert, vermahlt mittlerweile aber kein Bio mehr.
Moritz Häfele
Und von daher sind unsere Märkte durch andere Einflüsse geprägt. Ja.
Moritz Häfele
Als allererstes kurz zu mir. Mein Name ist Moritz Häfele. Ich bin Geschäftsführer der Bio Kontor. Die Bio Kontor ist ein Gemeinschaftsunternehmen der BAT, ja, Raiffeisen Aktietrading und der Marktgesellschaft der Naturlandbauern.
Moritz Häfele
Das heißt, wir sind eigentlich ein relativ kleines Unternehmen in dem großen Kontext, aber im Biomarkt eines der größeren Unternehmen in der Vermarktung.
Moritz Häfele
Ich gehe kurz durch, was es heute an Themen gibt. Wir steigen ein in das Marktumfeld und die generelle Preisentwicklung, gehen auf die beiden Ernten 2025 und 2026 ein. Dann geht es um die Versorgungslage der fünf wichtigsten Kulturen. Es gibt eine Marktanalyse zu den Kulturen und die Preisentwicklung für jede Kultur, einschließlich eines Ausblicks bis zum Frühjahr und dessen, was das für Ihre Beschaffung bedeuten kann.
Moritz Häfele
Und hier kommt eben die große Frage, die jetzt insbesondere das Mahlgetreide betrifft:
Moritz Häfele
Warum steigen eigentlich die Preise trotz der geringeren Ernte im Biobereich nicht? Wir haben hier mehrere Faktoren.
Moritz Häfele
Ein Faktor ist: Die Mühlen und Verarbeiter kaufen derzeit relativ zurückhaltend. Das ist einerseits dadurch bedingt,
Moritz Häfele
Bioabschlüsse sind in der Regel langfristiger geprägt, oft durch Ganzjahreskontrakte, nicht prämiengebunden oder Ähnliches, sondern mit einem durchgängigen Flat Price von September bis Juni. Das heißt, die Notwendigkeit, hier direkt nachzukaufen, wird noch nicht so groß gesehen.
Moritz Häfele
Komplett anders verhält sich allerdings der Futtermarkt. Im Futtermarkt kommen starke Impulse rein. Der Futtermarkt kauft kürzer ein und die Märkte sind doch eigentlich auch noch stärker verwoben.
Moritz Häfele
Gleichzeitig nimmt der Wettbewerb zu. Es gibt einen deutlich stärkeren Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel und es gab lange Zeit fast so eine Art
Moritz Häfele
Preisuntergrenze für ein Päckchen Weizen im Lebensmitteleinzelhandel. Die war ungefähr bei fünfundachtzig Cent. Die wurde jetzt wieder unterboten mit einem sensationellen Preis für das Kilopäckchen Auszugsmehl Bio von neunundsechzig Cent. Ja. Also das heißt, trotz eigentlich gestiegener Preise in der Rohware gehen die Preise im Lebensmitteleinzelhandel eher tendenziell zurück.
Moritz Häfele
Dann gibt es mehrere Mühlen im Markt und dadurch erhöht sich natürlich auch der Wettbewerb. Was zusätzlich im Biohandel gilt:
Moritz Häfele
Eine Mühle macht manchmal einen relativ großen Unterschied. Da gab es eine Verlagerung: Im Norden gibt es eine weniger, im Süden eine mehr. Dadurch ändern sich auch ein Stück weit die Ströme im Biomarkt. Das heißt,
Moritz Häfele
Frachten werden länger, Frachten werden teurer, aber dennoch besteht der Anspruch, die Preise müssen maximal bleiben, eher sogar noch fallen.
Moritz Häfele
Wie sieht es mit den Ernten aus? Wir sehen: In der Ernte 2025 gab es starke Mengen, aber eher unterschiedliche Qualitäten.
Moritz Häfele
Und die Frucht, die im Biomarkt am bedeutendsten war, war eben der Hafer.
Moritz Häfele
In der Ernte 2026 gab es dagegen deutlich geringere Mengen, insbesondere in Deutschland,
Moritz Häfele
und Unterschiede in den Kulturen.
Moritz Häfele
Was wir allerdings sehen:
Moritz Häfele
Es gibt insbesondere beim Mais ein großes Defizit. Das wird unserer Ansicht nach dazu führen, dass sich der fehlende Biomais später auf den Weizen und danach auf die anderen Kulturen auswirkt.
Moritz Häfele
Das heißt, es gibt keine einheitliche Preisentwicklung. Wir haben eigentlich eine relativ gute Vorjahresversorgung,
Moritz Häfele
aber die aktuelle Nachfrage bestimmt die Preise. Die kleinere Ernte führt aber deswegen nicht automatisch zu höheren Preisen.
Moritz Häfele
Wie sieht es denn generell in diesen fünf Kulturen aus? Wir fangen an beim Weizen. Wir sehen eben die aktuelle Versorgung im Bioweizen als eher knapp. Wir haben ja nicht so diese Einteilung in A- und B-Weizen, sondern in der Regel wird in Feuchtkleber unterschieden und der Standard ist quasi diese Weizenpartien mit 22 Feuchtkleber. Da sehen wir besonders eine Knappheit,
Moritz Häfele
wo eigentlich die Menge nicht ausreichen wird. Der 22er-Kleberweizen wird in der Regel mit deutlich stärkeren Kleberwerten beliefert. Allerdings fehlt es eben genau in diesen Partien und am Futtermarkt.
Moritz Häfele
Hier spielt noch eine Besonderheit rein, die es eigentlich auch vor allem im Biobereich gibt. Der niederländische Futtermarkt ist darauf angewiesen, eine gewisse Regioquote zu erfüllen. Das heißt, die müssen dreißig Prozent ihrer Futtermenge aus der Region beziehen. Region ist aber in dem Moment relativ weit gefasst. Das heißt nämlich Niedersachsen und angrenzende Bundesländer. Also wer jetzt in den Regionen nicht ganz so stark ist, Brandenburg grenzt an Niedersachsen. Das heißt, die Region ist zwar relativ weit gefasst, aber das führt natürlich dazu, dass relativ viele schwache Weizenpartien Richtung Niederlande abwandern, da dieser Markt deutlich
Moritz Häfele
stärker liquide ist, während der deutsche Mahlweizenmarkt nicht so liquide gestaltet wird. Wir sehen deswegen im Mahlweizen einen eher festeren Preis, wenn man Richtung Frühjahr 2027 blickt.
Moritz Häfele
Im Roggen sieht es anders aus. Roggen ist eigentlich ausreichend gedeckt. Nur ist hier auch die Frage: Zieht dieser starke Weizen den Roggen mit sich? Von daher gehen wir von einem eher stabilen oder vielleicht auch schwächeren Markt aus.
Moritz Häfele
Dinkel, da werden wir ja später noch einen sehr ausführlichen Vortrag dazu hören.
Moritz Häfele
Unserer Meinung nach ist der Markt aktuell noch ausgeglichen, wo aber eben die Frage sein wird: Reicht denn die Menge tatsächlich dann noch aus im Biodinkel, aber vielleicht auch im konventionellen Dinkel? Aber wie gesagt, da gibt es später ja noch mehr.
Moritz Häfele
Nun zum Sorgenkind, dem Mais. Wir sehen vor allem eine regionale Knappheit, insbesondere im Süden.
Moritz Häfele
Und weil hier eben auch verschiedene Faktoren erfüllt werden müssen, sei es Verbandsmais, der eben aus den deutschen Verbänden kommen muss, oder auch Regiomais, sehen wir in Deutschland eher eine sehr knappe Maisversorgung.
Moritz Häfele
Beim Mais gibt es auch so ein bisschen eine Besonderheit. Da kommt so ein bisschen das Thema vom Herrn Bergmair auch wieder dazu. Es wird relativ viel Biomais gerade auch in der Ukraine oder auch in Russland angebaut, der dann aber aktuell einfach nicht logistisch von dort nach hier fließen kann oder eben nur extrem teuer.
Moritz Häfele
Das führt zu aktuell steigenden Maispreisen. Wenn sich da die Lage entspannen sollte, kann es natürlich auch sein, dass hier die Maispreise eher wieder runtergehen. Wir rechnen aber aktuell noch nicht so schnell damit.
Moritz Häfele
Dann der Hafer.
Moritz Häfele
Die Haferernte fünfundzwanzig war für uns eine der überraschendsten Haferernten überhaupt. Wir hatten gestiegene Anbauflächen, super Qualitäten und gleichzeitig top Erträge. In der Ernte sechsundzwanzig war die Anbaufläche etwa gleich geblieben, aber die Qualitäten waren deutlich schwächer. Von daher setze ich persönlich beim Hafer viele Fragezeichen dahinter. Wir gehen davon aus, die schwachen Hektolitergewichte können später noch dazu führen, dass wir eher sogar wieder einen Ticken steigende Preise haben, aber aktuell rechnen wir noch mit stabilen Preisen.
Moritz Häfele
Somit ist die Versorgungslage je nach Kultur, Qualität und Region deutlich unterschiedlich. Und wir stehen natürlich vor den gleichen Herausforderungen der relativ langen Frachten.
Moritz Häfele
Wenn ich ab und zu mal mit Mühlen spreche, die sowohl Bio als auch konventionelle Ware handeln, sagen sie mir oft, sie wussten gar nicht, dass die Bioware so weit fährt. Aber fünfhundert, sechshundert Kilometer sind keine Seltenheit, teilweise auch mehr.
Moritz Häfele
Und das überwiegend mit dem LKW. Die Schiffsfracht ist im Biobereich nicht wirklich etabliert. Züge sind ganz selten und
Moritz Häfele
es gibt auch einige Mühlen, die in Deutschland mit rumänischer Ware direkt mit dem LKW beliefert werden. Um Weizen zu bekommen, lohnt es sich tatsächlich, ihn so weit zu fahren, obwohl wir hier eigentlich die Qualitäten hätten. Das liegt an den verschiedenen Qualitäten im Biomarkt, sei es EU-Bio oder Verbandsware.
Moritz Häfele
Gut, kommen wir noch mal kurz zum Weizen. Wie gesagt, Versorgung eher knapp. Hohe Qualitäten sind hier auch gut verfügbar. Also auch im Bioweizen sind Qualitäten jenseits der dreißig Feuchtkleber keine Seltenheit.
Moritz Häfele
Aber besonders gefragt ist der Futterweizen, der schwache Kleberweizen. Und die Frage ist: Wie lang reicht diese gute Qualität tatsächlich noch aus, wenn der Markt den Futterweizen und den schwachen Kleberweizen aufgesogen hat?
Moritz Häfele
Roggen, wie gesagt,
Moritz Häfele
haben wir eigentlich hohe Mengen, aber der Futtermarkt ist aufnahmefähig. Es braucht immer eine Weile, bis die Mischfutterwerke von einem Produkt umgestellt haben, aber aktuell sind sie schon dran, die Roggenmenge etwas stärker zu erhöhen.
Moritz Häfele
Dinkelware ist vorhanden, zurückhaltend am Markt,
Moritz Häfele
aktuell aber noch ausgeglichen.
Moritz Häfele
Und wie gesagt, Mais: regionale Knappheit, insbesondere im Süden. Durch diese verschiedenen Qualitäten und Regionen gab es lange Zeit das Phänomen, dass der Mais im Süden besonders günstig war,
Moritz Häfele
während der holländische Markt stark gezogen hat. Mittlerweile hat es sich umgedreht. Im Süden ist die Ware schlechter verfügbar und der Süden zieht tatsächlich relativ viel deutsche Verbandsware im Mais.
Moritz Häfele
Beim Hafer werfen die schwachen Hektolitergewichte viele Fragen über ihre möglichen Auswirkungen auf.
Moritz Häfele
Und hier noch mal der Überblick. Genau.
Moritz Häfele
So, und nun kommen wir zu den Preisen, was wir ja versprochen haben. Ich habe Ihnen aus unserer Erfahrung heraus und auch ein Stück weit aus Einschätzungen mit anderen Marktteilnehmern Preise quotiert. Wir haben das auf Lieferbasis Oktober bis Dezember gemacht. Man kann's natürlich nie so genau festmachen, deswegen ist die Spanne relativ weit. Aber wer Notierungen kennt, die im Biobereich gemacht werden, da stehen teilweise noch größere Spannen drin. Ich sage nur als Beispiel: Bei Dinkelkernen können die Von-bis-Preise bei manchen Notierungen um hundertzwanzig Euro abweichen. Deswegen habe ich versucht, es ein bisschen einzugrenzen. Wir sehen beim schwachen Weizen, also bei zweiundzwanzig Kleber im EU-Bio-Bereich, einen Preis von dreiachtzig bis vierhundert Euro, bei der deutschen Verbandsware von vierhundertzwanzig bis vierhundertvierzig Euro. Beim Weizen mit siebenundzwanzig Kleber, das sind so diese Qualitäten, die wir standardmäßig handeln, Weizen mit über siebenundzwanzig Feuchtkleber, vierhundertzehn, vierhundertdreißig Euro. Für den deutschen Verbandsweizen sehen wir vierhundertsechzig bis vierhundertneunzig Euro, also die Prämie relativ schwach meiner Ansicht nach, schwächer als in den sonstigen Jahren.
Moritz Häfele
Im Mahlroggen, das ist ein bisschen das Sorgenkind, sehen wir gerade mal irgendwo zweihundertneunzig bis dreihundertzwanzig Euro bei EU-Bio und dreihundertsiebzig bis vierhundert Euro für Verbandsware.
Moritz Häfele
Dinkel im Spelz
Moritz Häfele
hat zwischendurch während der Ernte einen kleinen Dip gehabt, weil relativ viel Ware aus Osteuropa gekommen ist. Mittlerweile sehen wir es wieder etwas fester bei vierfünfzehn bis viervierzig und die Verbandsware bei vierundsiebzig bis fünfhundertfünf, beides mit eher stärkeren Tendenzen.
Moritz Häfele
Schälhafer, auch durch die starken Ernten im Baltikum vor allem, sehen wir bei zweiachtzig bis dreihundert im EU-Bio-Bereich und bei dreiundsiebzig bis vierhundertfünfzehn für deutsche Verbandsware.
Moritz Häfele
Dann kommen wir zum Thema Futter. Wie ich vorher schon gesagt habe: Es gibt diese regionalen Begrenzungen im Futter, vor allem für die Legehennen. Und zwar gibt es eine Region, Niederlande,
Moritz Häfele
die heißt Niedersachsen plus angrenzende Bundesländer. Und dann gibt es eine Region, die heißt Belgien. Da geht es um
Moritz Häfele
eine noch geringere regionale Verteilung: Nordrhein-Westfalen, Hessen, Saarland, NRW und Rheinland-Pfalz, die dann regional für Belgien sind.
Moritz Häfele
Da werden Prämien bezahlt und das führt insbesondere dazu, dass dieser Futterweizen im Wettbewerb mit dem schwachen Mahlweizen steht und hier deutlich höhere Kurse gezahlt werden können als im schwachen Mahlweizen und das ohne die diversen Komplikationen, die dort stattfinden.
Moritz Häfele
Ich geh jetzt einfach kurz mal durch. Futterweizen sehen wir aktuell bei drei fünfundfünfzig bis drei fünfundsiebzig und im Regio-Bereich in der Spitze sogar bei bis zu dreihundertneunzig Euro, Gerste bei drei fünfunddreißig bis drei fünfundfünfzig und im Regio-Bereich bei drei fünfzig, drei sechzig, Triticale drei fünfzehn, drei fünfunddreißig, Regio-Bereich drei dreißig bis drei sechzig. Roggen gibt's den geringsten Abstand, weil er eben kaum für Legehennenfutter verwendet wird. Deswegen gibt es da eigentlich nur selten einen Aufschlag und der ist dann maximal bei zehn Euro pro Tonne.
Moritz Häfele
Allerdings haben die
Moritz Häfele
Kollegen hier aktuell den Hafer entdeckt als regionales Produkt. Da hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Beim Regio-Hafer ist natürlich die Grenze etwas höher. Da hätte eigentlich zwei siebzig bis zwei neunzig stehen sollen und beim EU-Bio zwei fünfzig bis zwei fünfundsechzig.
Moritz Häfele
Mais,
Moritz Häfele
da hat sich auch noch ein Fehler eingeschlichen. Sorry dafür. EU-Bio vierhundertfünf bis vierhundertfünfundzwanzig und Regio bis zu vierhundertfünfunddreißig Euro. Genau.
Moritz Häfele
So viel zu den Preisen. Wie sehen wir generell
Moritz Häfele
den Ausblick 2027?
Moritz Häfele
Wir sehen es grundsätzlich so, dass es ein Stück weit ähnlich wie im konventionellen Markt ist. Man sollte nicht davon ausgehen, dass die Qualitäten in der Ernte 2027 wieder so kommen werden wie in 2026. Das heißt, wir gehen auch davon aus, dass man hier schauen sollte, sich frühzeitig abzusichern, frühzeitig Ware zu beschaffen, und nicht zu sehr ins Risiko zu gehen. Und
Moritz Häfele
generell rechnen wir angesichts der Fundamentaldaten im Biomarkt damit, dass es keine größere Menge und keine größere Anbaufläche im Biobereich geben wird, bei gleichzeitig stetigem Wachstum im Markt.
Moritz Häfele
Und von daher rechnen wir damit, dass der Preis irgendwann hochgehen muss, auch wenn wir die Tendenzen nicht so stark
Moritz Häfele
von den Kunden widergespiegelt bekommen.
Moritz Häfele
Ja, dann sage ich schon mal vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Ich habe es allen Leuten ganz einfach gemacht. Wenn jemand Fragen hat, gibt es hier einen QR-Code, den kann man scannen. Da ist dann meine Visitenkarte drauf. Ansonsten danke ich vielmals und bin bereit für Fragen. [lacht] Danke. [Applaus]
Moderation
Vielen Dank, Herr Häfele, für Ihren Vortrag aus dem Biobereich. Fragen in die Runde zu Bio. Wir haben ja in Bayern viele Biomühlen, die Bio verarbeiten. Jetzt können Sie Ihre Fragen stellen, bitte.
Sprecher 2
Ich hätte mal eine Frage.
Sprecher 2
Was mich schon immer interessieren würde beim Biobereich: Wie hoch schätzen Sie, Herr Häfele, den Anteil des Biogetreides, den wir importieren
Sprecher 2
und der bei uns da ist? Wir haben ja das Ziel Bio 2030, 30 Prozent et cetera.
Sprecher 2
Kann man sagen, ob von der Produktion her ein Überhang bei Bio da ist oder wie viel in Prozent importiert wird? Zwanzig, achtzig, zehn, neunzig? Was würden Sie denn schätzen?
Moritz Häfele
Ich sehe die grundsätzliche Frage bei Bio so: Wir haben eine relativ starke Segmentierung. Wenn man nur Bio sagt,
Moritz Häfele
fasst das nicht weit genug. Wir haben den EU-Bio-Markt und eigentlich noch EU-Bio, wo es Prämien für Herkunft aus Deutschland gibt, die teilweise
Moritz Häfele
je nach Mühle zwanzig, dreißig, vierzig Euro betragen können. Dann haben wir die deutsche Verbandsware. Da gibt's Biolandware, Naturlandware, mittlerweile immer stärker werdend den Biokreisverband. Und das macht den Markt so wahnsinnig komplex.
Sprecher 2
Wenn man das einmal zusammenzählt.
Moritz Häfele
Ja.
Sprecher 2
Also wenn man das alles über einen Kamm schert und sagt, das ist alles Bio.
Sprecher 2
Wie Sie uns gesagt haben, kommt ein bisschen was aus dem Ausland rein. Wie hoch würden Sie die Anteile schätzen?
Moritz Häfele
Also es gibt tatsächlich Anteile zum Import. Das waren
Moritz Häfele
aus Ex-EU etwa fünfzehn Prozent, das war die letzte Zahl, die ich so hatte. Im Getreide. Also was relativ viel natürlich weiterhin importiert wird, sind Ölsaaten und Soja.
Moritz Häfele
Ja.
Sprecher 2
Fünfzehn Prozent.
Moritz Häfele
Etwa.
Sprecher 2
Okay.
Moritz Häfele
Halten Sie mich nicht genau darauf fest. [lacht]
Sprecher 2
Aber das wäre noch Potenzial für die heimische Landwirtschaft. Das würde man in der Heimat verarbeiten. Das könnte man auch regional herstellen.
Moritz Häfele
Und da kommt dieses Aber.
Sprecher 2
Aber?
Moritz Häfele
Wenn wir sehen, wo die Preisunterschiede sind zwischen dem EU-Biogetreide und dem Verbandsgetreide, und die sind Pi mal Daumen fünfzig bis hundert Euro die Tonne, dann gibt es Vertriebskanäle, die sagen: Wir kaufen nur EU-Bio, und ob ihr Verbandsware herstellt, ist uns egal. Die Verbandsware ist aber aufwendiger herzustellen, aufwendig auch so ein Stück weit vom Vertrieb.
Moritz Häfele
Und das macht das Ganze relativ komplex, also das alles so in einen Topf reinzuwerfen. Es wäre ein Riesenpotenzial, aber die müssten dann konkurrenzfähig zu Polen, Litauen und dem Baltikum produzieren.
Sprecher 2
Mhm, genau.
Moritz Häfele
Und das macht die ganze Komplexität dann wieder aus. Und die Vertriebskanäle sind aber teilweise ebenso gestrickt, dass es egal ist, ob die Herkunft Deutschland ist, egal ist, ob das heimische Verbandsware ist.
Moritz Häfele
Und da könnte der Hebel liegen. Ich glaube tatsächlich, eine gute Wachstumsstrategie wäre, weiter in dieser Verbandsschiene
Moritz Häfele
mehr herzustellen, mehr Produkte im Verbandsbereich zu produzieren, weil eigentlich nur so sinnvollerweise in Deutschland Verbandsgetreide, also Biogetreide hergestellt werden kann, kostendeckend, vor allem in den kleineren, strukturierteren Regionen.
Moderation
Haben wir noch Fragen in der Runde?
Sprecher 2
Die Preisbindung, Angebot und Nachfrage. Es gibt ja keine Matrix, an der man sich orientieren kann. Preisbindung, Angebot und Nachfrage. Oder wie ist das bei Bio?
Moritz Häfele
Genau. Angebot und Nachfrage, Einzelabschlüsse, Marktmeinung plus Bauchgefühl. Also tatsächlich
Moritz Häfele
gibt es wenig, woran man sich festhalten kann. Es gibt auch relativ wenig verlässliche Preisstatistiken zu Bio. Es gibt ja die AMI, die regelmäßig Preisnotierungen rausgibt und da sind teilweise die Kurse für Dinkel, da sind teilweise hundertfünfzig Euro für Dinkelkerne in dem Von-bis-Preis, wo man sich natürlich fragen sollte: Nehme ich jetzt den höchsten oder nehme ich jetzt den tiefsten? Aber darauf eine Kalkulation aufzubauen, ist relativ schwierig.
Moritz Häfele
Aber es sind tatsächlich im größten Teil Einzelabschlüsse
Moritz Häfele
und ein Marktteilnehmer kann den kompletten Markt durcheinanderbringen. Also ein Abschluss mit, ich sage jetzt mal, zwei-, dreitausend Tonnen Dinkel kann den kompletten Markt durcheinanderbringen.
Sprecher 3
Die Ratifizierung von dem südamerikanischen Markt wird ja nun auch in der Zukunft auf den europäischen Markt sehr stark eingreifen. Und habt ihr denn da schon Ideen, wie man den einheimischen Markt da wenigstens finanziell schützen kann? Oder denkt ihr, lasst das einfach auf uns zukommen und schauen mal, wie es in der Zukunft wird?
Moritz Häfele
Also meiner Ansicht nach geht es da auch wieder um ein ähnliches Thema. Wir haben eigentlich in Deutschland eine Sondersituation durch die verschiedenen Verbandswaren. Und da werden ja hauptsächlich
Moritz Häfele
deutsche Produkte verbandszertifiziert
Moritz Häfele
und das halte ich schon für eine relativ schlaue Strategie, die Produktion auch hier im Land zu behalten.
Moritz Häfele
Ich weiß nicht, ob das
Moritz Häfele
Ihre Frage beantwortet. [lacht]
Sprecher 2
Also ich glaube, es war eher die Frage...
Sprecher 2
Genau.
Sprecher 3
Und das wird natürlich extreme Auswirkungen haben.
Sprecher 2
Das sind die neuen Handelsabkommen, die du meinst, gell?
Sprecher 3
Bitte?
Sprecher 2
Die neuen Handelsabkommen mit Südamerika. Hat das auch Auswirkungen auf den Biomarkt?
Moritz Häfele
Ich sehe es noch nicht so kommen, also auf den deutschen Biomarkt, weil wir da sehr in diesen Verbandsstrukturen sind. Etwa zwei Drittel der deutschen Bioware ist Verbandsware.
Moritz Häfele
Ja.
Moderation
Okay. Haben wir noch Fragen?
Moderation
Sehe ich nicht. Dann sind wir gut in der Zeit. Danke, Herr Häfele, für den Vortrag.
Ende des aufgezeichneten Texts bei 24:25.