Getreideernte und Warenströme

Maximilian Bergmair · BAT-Agrar, Ulm

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Teil 1 · Vortrag

0:00–21:49 · Zeitmarken und Sprechernummern gelten nur für diesen Teil

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  1. Moderation

    Mich freut es, dass alle gekommen sind und ganz besonders freut mich, dass ich den ersten Referenten ankündigen kann vom BAT, den Herrn Bergmair. Der hat einige interessante Folien mitgebracht. Ich würde sagen, Sie fangen gleich an, Herr Bergmair.

  2. Maximilian Bergmair

    Vielen Dank. Hören Sie mich? Ja. Erst einmal danke, Herr Dr. Rampe, für die Einladung und auch natürlich an den Müllerbund, dass ich hier sprechen darf vor Ihnen. Freut mich sehr, dass ich da sein darf.

  3. Maximilian Bergmair

    Mein Name noch einmal, Maximilian Bergmair. Ich komme vom BAT Agrar. Ich leite den Getreidehandel Mitteldeutschland dort und bin mittlerweile seit über zehn Jahren im Getreidehandel tätig und eben seit 2023 bei BAT dabei. Ja, ich starte einmal. Ich habe ein Bild dabei, einen LKW, einen BAT-LKW, und das ist, glaube ich, das, was uns alle gerade sehr beschäftigt. Neben den Getreidemärkten spielt die Logistik eine immer weiter steigende Rolle und gerade in dieser Zeit ist Logistik extrem knapp und macht auch letztendlich den Markt so undurchsichtig. Und da möchte ich Sie einfach mitnehmen, was da alles passiert, was auf der Welt gerade los ist, was in der Ernte war, was aktuell ist und wie das Ganze mit der Logistik zusammenhängt. Genau, steigen wir einmal ein. Ein Überblick einmal für Deutschland, ganz kurz. Natürlich habe ich die Erntezahlen dabei. Sie haben es richtigerweise gesagt, die Ernte, die sah so gut aus. Und dann, ja, ich gehe auch an den Feldern entlang und dann sieht man auf einmal die weißen Stellen. Die Landwirte haben das ganze Jahr darauf hingearbeitet, und dann haben drei Wochen es geschafft, dass der Weizen in die Notreife ging und letztendlich haben wir wahrscheinlich deutschlandweit irgendwo 20 Prozent der Ernte durch die Notreife verloren. So, wenn wir hier uns einmal ganz kurz die Zahlen anschauen:

  4. Maximilian Bergmair

    Roggen ernten wir in Deutschland immer so zweieinhalb bis drei Millionen Tonnen. Wir sind dieses Jahr 2026 bei ungefähr 2,8 Millionen Tonnen Roggen

  5. Maximilian Bergmair

    und Weizen um die 21 Millionen Tonnen. Plus, es ist auch klar, wir haben eine hohe Überlagerungszahl. Also wir schätzen, dass ungefähr zwei Millionen Tonnen Weizen überlagert wurden und dementsprechend sind wir trotz dieser Hitzewelle so gestartet, dass wir sagen: Wir sind in Deutschland gut versorgt. Wir können unsere Mühlen versorgen, wir können auch etwas exportieren. Und das Exportieren wird immer interessanter und deswegen gehen wir im Vortrag weiter. Auf das Exportieren komme ich natürlich noch einmal zurück. Wichtig an der Folie ist: Die Ernte in Deutschland wird in den letzten Jahren kleiner. Das ist ganz wichtig. Wir werden jährlich über alle Produkte rund eine halbe Million Tonnen verlieren. Also es ist so, dass wir uns schon Gedanken machen müssen: Wo kommt unsere Ware her?

  6. Maximilian Bergmair

    So, gehen wir weiter. Wir müssen uns anschauen, was alles passiert ist. Wo ist die Ernte wie ausgefallen? Die größten Verluste waren in Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg, gefolgt von Sachsen, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

  7. Maximilian Bergmair

    Dann kommen die anderen Bundesländer, die dann noch

  8. Maximilian Bergmair

    fünf Prozent oder weniger verloren haben. Das einzige Bundesland, das mehr geerntet hat – da muss man sagen: Jede Statistik hat eine Krücke. Brandenburg war letztes Jahr sehr schlecht und hat aber dieses Jahr eben trotzdem ein vernünftiges Ergebnis gebracht. Und Sie sehen eigentlich schon ganz interessanterweise, der Norden Deutschlands hat trotzdem noch gut abgeschnitten und das sehen wir auch in den Qualitäten. Und es ist auch gar nicht so schlecht, dass der Norden gut abgeschnitten hat, weil wir da ja auch in den Export gehen. Das sind Zahlen unserer BAT-Erfassung. Wir haben viele Erfassungsstellen und ausgewertet, welche Qualitäten wir erfasst haben, damit Sie ein Gefühl dafür bekommen. Beim Protein sehen Sie für 2024, dass die höchsten Punkte irgendwo zwischen elf und 13 Protein waren. 2025 sehen Sie schon die Verlagerung mehr in den Bereich 13 bis 14 oder sogar 15 und die 2026er Ernte, wer hätte es geahnt? Natürlich ist das Protein da, wie auch schon gesagt. Auch hier sehen wir das wie vorher. Ich will nicht sagen, dass es schade ist, aber wir verlieren überall die Qualitätsaufschläge. Und ich will eigentlich auch nicht,

  9. Maximilian Bergmair

    dass sich die

  10. Maximilian Bergmair

    Bäcker letztendlich daran gewöhnen, dass Qualität kein Geld kostet. So,

  11. Maximilian Bergmair

    dementsprechend einmal die Verteilung des Hektolitergewichts. Das ist ja auch ganz interessant. Wir sehen hier eben, dass dieses Jahr im Sektor 72 bis 76 ganz viel im roten Bereich ist. Und für 2026: Sie haben es angesprochen, Mutterkorn. Man möchte es nicht meinen, aber wir haben in Südniedersachsen wirklich ein Mutterkornthema, und zwar nicht im Roggen, sondern im Weizen. Wir haben da wirklich richtig ein Thema und das muss ich echt sagen, hat mich erstaunt, dass das uns dieses Jahr so ereilt.

  12. Maximilian Bergmair

    Wir müssen jetzt auch einen kleinen Blick auf die Ernte 2027 werfen. Und was wissen wir bis jetzt? Das sind so die Niederschlagszahlen vom 1.8. bis 20. Oktober. Sie sehen jetzt relativ viel Dunkelrot. Das ist einfach nur, weil es überall generell geregnet hat. Jetzt leuchtet die Folie ein bisschen auf. Das ist jetzt in Prozent gegenüber dem Normalwert der letzten Jahre. Und wenn man dann auf die Prozentwerte gegenüber dem Normalwert schaut, dann sieht man, dass Sachsen relativ gut ist, dass wir aber auch schon weiter ein Defizit haben und hier insbesondere am Oberrhein. Das kennen Sie alle, der Rhein hat weiter kein Wasser. Generell muss man aber sagen, ist der Aufwuchs im Getreide vorhanden. Also die Niederschläge kamen zur rechten Zeit und die Bestände sehen erst einmal gut aus. So weit einmal festzuhalten. Dann würde ich den Blick auf die Welt richten und das große Ganze betrachten, um anschließend zu schauen: Was wäre die Empfehlung für Sie?

  13. Maximilian Bergmair

    Gehen wir einmal hinein. Die Weltgetreideernte liegt bei 2,9 Milliarden Tonnen und wir dürfen uns nicht blenden lassen. Das ist die zweitgrößte Ernte überhaupt. Das muss man einfach so sagen. Und wir sind auch noch drei Prozent über der Ernte 24 und deswegen muss man sagen, wir haben erst einmal richtig viel Menge aus der Ernte vor uns.

  14. Maximilian Bergmair

    Wenn wir dann einmal weitergehen, dann werden Sie langsam schon das Dilemma sehen. Das sind die Veränderungen zwischen Verbrauch und Getreideproduktion. Und Sie sehen hier: In der Ernte 2025 haben wir durch die große Ernte ganz viel aufgebaut, aber für die Ernte 2026 haben wir trotzdem ein großes Defizit. Und das ist auch das, was wir sehen. Wir haben als Handel und als Landwirte von der Ernte 2025 zur Ernte 2026 überlagert. Das war auch nötig. Aber man sieht eben jetzt, diese Bestände werden abgebaut und jetzt kommt natürlich das Fragezeichen: Wie geht diese Ernte weiter? Wie ist die Warenverfügbarkeit? Und das müssen wir uns natürlich jetzt auch einmal anschauen. Dazu auch noch einmal eine Folie hier, die Weltgetreideendbestände der wichtigsten Exportländer. Es ist so, dass wir festgestellt haben, dass der Preis eine gewisse Elastizität aufweist, je nachdem, wie viel Ware bei den größten Exporteuren liegt. Und jetzt sehen Sie hier den kleinen Zusatz: Die Zahlen sind vom USDA-Bericht September 2026 und da sehen Sie Ernte 25 auf 185 Millionen und Ernte 26 auf 165 Millionen. Jetzt mache ich einmal das Update der USDA-Zahlen im Oktober und da sehen Sie, wir marschieren hier hoch auf 192 und wir marschieren hier hoch auf 175 Millionen. Und das ist der Kern des USDA-Berichts, weil der USDA-Bericht hat nicht nur gesagt, wir denken, die Maiserträge in den USA sind höher, als die Händler oder alle erwartet hätten, sondern er sagt eigentlich auch, dass die

  15. Maximilian Bergmair

    Endbestände der wichtigsten Exportländer erhöht wurden und damit ist generell mehr verfügbare Ware erst einmal auf dem Papier vorhanden. Und um das einmal genauer zu verstehen, müssen wir das in Relation zu den letzten Ernten und den Preisen setzen und da haben wir eine ganz interessante Folie. Und zwar sehen Sie hier den Zusammenhang der Getreideendbestände der Exportländer in Prozent zum Verbrauch. Das ist hier die Achse unten und dann sehen Sie einmal den Jahresdurchschnittspreis, also Preis hier oben und dann haben wir für jedes Jahr einen Ball eingezeichnet und dann sehen Sie für Ernte 26 den Ball hier bei ungefähr 17,2 Prozent. Das ist jetzt auch wieder die Septemberschätzung. Und wenn wir jetzt sagen, was hat sich denn jetzt verändert mit der Oktoberschätzung, dann sehen wir, nachdem wir hier den Durchschnittspreis, dann den Gleichgewichtspreis MATIF bei 218 gesehen haben, dass der Ball, haben Sie es gesehen? Er rutscht hier herüber. Also ich gehe noch einmal zurück. Wir waren hier bei 17,2 und jetzt rutschen wir herüber auf 18,2 und das ergibt einen neuen Gleichgewichtspreis von 203. Und das ist das, was ich Ihnen jetzt mitgeben will. Wenn diese Situation in der Schwarzmeerregion nicht wäre und jetzt kommt mir natürlich die MATIF der letzten drei Tage ein bisschen zuvor, dann hätten wir einen MATIF-Preis zwischen 200 und 210 und nicht 249 vor fünf Tagen und 225 heute.

  16. Maximilian Bergmair

    Und dann, wenn wir uns einmal anschauen, was ist denn hier eigentlich alles passiert? Die Eskalation im Schwarzmeerbereich ist klar. Hier ist der Gleichgewichtspreis, den wir uns gerade errechnet haben. Und dann sehen wir eigentlich natürlich, wer treibt die Preise hoch? Es sind Fonds. Und in dem Zeitraum wurden zehn Millionen Tonnen von Fonds an der MATIF gekauft und das hat natürlich den Preis extrem nach oben gebracht.

  17. Maximilian Bergmair

    Wir schauen uns jetzt die Schwarzmeerregion an. Wir haben gemerkt, dass sie der Preistreiber überhaupt ist und damit zu tun hat, wie wir unser Getreide einkaufen können. Schauen wir uns die Traffic-Karte der Schiffe an. Hier sind die Häfen der Ukraine. Die rot-blauen sind die russischen Häfen. Dann sehen Sie hier den Hafen, der russisch besetzt ist; deswegen haben wir den weiß gemacht.

  18. Maximilian Bergmair

    Und wir sehen eigentlich, und das ist jetzt das Wichtigste, hier lädt kein Schiff, hier ist kein Schiff. Und das ist ja genau die Zone, wo auch die Ware nicht herauskommt. Jetzt kam natürlich die Meldung vor, ich weiß nicht, vier Tagen.

  19. Maximilian Bergmair

    Selenskyj hat wohl in einem Bericht gesagt: „Na ja, wir könnten doch die Grenzen einfrieren und dann könnten wir doch langsam vielleicht ein Gespräch bilden.“ Das waren die ersten zehn Euro, die dann an der MATIF auf einmal weg waren. Dann haben wir gestern erlebt, dann kommt über den Ticker eine Meldung heraus, dass Russland wohl genehmigt hätte, dass man bei dem Asowschen Meer über die Straße von Kertsch nach draußen fahren könnte.

  20. Maximilian Bergmair

    Ach so, stopp.

  21. Maximilian Bergmair

    Mit einer Frist bis 15.11. Also MATIF runter sechs Euro und dann hat jeder gemerkt, 15.11., welchen Tag haben wir denn heute? Also liegen da jetzt 200 Schiffe drin, die warten, beladen zu werden, dass die herausfahren? Nein. Es muss geklärt werden mit Versicherungen und sonst etwas. Also man hat gesagt: „Hilft das uns?“ Und die MATIF ist am Abend wieder sechs Euro hoch. Und das Asowsche Meer, nur dass Sie sich einmal geografisch auskennen, hier ist es und um diese Meeresenge von Kertsch geht es am Ende. Und das ist natürlich das, was uns bewegt. Wie sollen wir planbar einkaufen? Wie sollen wir als BAT dem Landwirt eine Empfehlung machen, wenn die MATIF natürlich innerhalb von fünf Tagen 20 Euro verliert? Es ist am Ende aber auch für Sie eine Chance und ein Risiko. Man muss für sich erkennen: Wie kann man das deuten?

  22. Maximilian Bergmair

    Wie wichtig sind Russland und die Ukraine für den Weltmarkt? Dann müssen wir uns anschauen: Wie viel Getreide ernten sie und wie viel exportieren sie? Wie viel Menge ist denn eigentlich für den Weltmarkt verfügbar? Und dann sehen wir hier die Grafik, Ukraine in Grün und Russland in Grau. Dann sehen wir eigentlich, dass Ukraine und Russland zusammen zwischen 90 und 100 Millionen Tonnen Getreide exportieren. Das heißt ungefähr Ukraine 40 Prozent, Russland 60 Prozent. Und jetzt sehen Sie eigentlich, dass monatlich aus der Ukraine 3,2 Millionen Tonnen herausgehen müssten und aus Russland 4,6 Millionen Tonnen. Und was ist aktuell? Und das ist ja genau das Problem. Wir sehen bei der Ukraine eine knappe Million und wir sehen in Russland statt dieser sechs, sieben Millionen nur 2,8, meine ich; das sind gerade die Schätzungen. Und das ist das ganze Problem. Die Ware ist da, die Ware kommt aber nicht heraus und nicht an den Weltmarkt. Wir haben jetzt geklärt, wo was ist und wie es herauskommt. Jetzt wollen wir die preisliche Komponente hereinbringen. Wir sehen aktuell einen FOB-Preis, FOB Rostock zum Beispiel bei 275 Dollar. Jetzt muss ich dazu sagen, die Folie ist eine Woche alt, aber das lag daran, dass ich sie früher abgeben musste. Das ist ja logisch, oder? [lacht] Wenn wir dann uns die Preisrelation anschauen, dann ist das nicht Ukraine, es ist nicht Odessa, es ist FOB Rumänien. Und wenn wir uns dann anschauen, FOB hier bei Russland 206 und der Landwirt in Ukraine kriegt 100 Dollar und der Landwirt in Russland 130, dann sagen Sie: „Ja, warum kriegt jetzt der russische Landwirt mehr?“ Der russische Landwirt profitiert von einer besseren Logistik. Russland exportiert mittlerweile, die LKWs gehen hier hoch, Litauen, Lettland, eine Million Tonnen geht da oben heraus mittlerweile oder mindestens, was man mittlerweile annimmt. Und sie überlegen auch oder es läuft wohl Ware über Georgien da unten heraus. Und das ist das Problem. Ukraine ist logistisch sehr gekniffen. Sie haben keinen LKW mehr, sie können nicht heraus. Odessa, wichtigster Punkt, da kommt nichts heraus, weil natürlich auch diese Beschüsse waren. Und jeder Ganzzug, der irgendwo im Markt ist, wenn ich jetzt meine Händlerkollegen anschaue, ich glaube, keiner findet mehr einen Ganzzug, weil alle Züge gefühlt da unten hereingezogen werden, um irgendetwas herauszubefördern. Und das ist einfach mittlerweile das Problem. Aber das ist auch das, wie soll ich sagen, das Risiko. Wenn die Ware an den Weltmarkt kommt, dann sind wir wieder dabei: Der Gleichgewichtspreis ist bei 203 und MATIF ist bei 225. Ich will das jetzt nicht total bärisch reden. Ich sage ja nur,

  23. Maximilian Bergmair

    wenn das hier gelöst wird, dann finde ich, haben wir zu hohe Preise.

  24. Maximilian Bergmair

    Dementsprechend, ja, ich weiß jetzt nicht, stehen wir jetzt vor einer Öffnung oder nicht? Am Ende glaube ich schon, dass durch die Midterms, vor denen ja Trump steht, die Wahlen stehen ja am 3. November an, dass politisch schon versucht wird, hier eine Deeskalation zu starten oder dass da weiter keine Eskalationen kommen. Deswegen würde ich sagen, dass wir in der aktuellen Situation bis zu den Midterm-Wahlen eher in einem bärischen Markt sind. Einfach weil politisch auch eine Deeskalation gewollt ist.

  25. Maximilian Bergmair

    Dann, ja, Kontraöffnung. Ich meine, jedem ist ja klar, am Ende, Putin wird eventuell da weiter nicht nachgeben wollen und wird das Ganze auch wieder in den Winter bringen wollen, um eben da die Ukrainer an ihre Grenzen zu bringen. Ich meine, das ist wahnsinnig schlimm, deswegen traue ich mir da kein Urteil. Aber am Ende ist es entscheidend für unsere Getreidepreise. Ich sage jetzt einmal nicht unbedingt, ob jetzt da Frieden herrscht oder nicht, sondern die Frage ist eigentlich: Kommen die Getreideexporte heraus oder nicht? Und da

  26. Maximilian Bergmair

    gibt es ja immer wieder Meldungen oder aktuell Anzeichen, dass es sich wohl ein bisschen auflösen oder lockern könnte. Und mit dem Momentum ist es einfach so, dass der Markt eben eher in die Knie gerade geht.

  27. Maximilian Bergmair

    Dann zu meinen Marktszenarien und unseren Empfehlungen. Ich habe es gesagt: Was bringt den Markt weiter herunter? Am Ende ist der Krieg am Schwarzen Meer der wichtigste Treiber. Wir haben weiterhin ein Rückschlagspotenzial von 20 bis 30 Euro.

  28. Maximilian Bergmair

    Dementsprechend El Niño hört man ja ganz stark in den Medien. Ich muss ja sagen, wenn ich schon etwas in den Medien höre, dann wäre ich ja schon wieder vorsichtig. Also der Super El Niño kommt ja vielleicht. Er kommt nur zu spät für die australische Getreideernte. Also die Getreideernte in Australien ist November bis Januar und die kommt gut. Und da sehen wir Niederschläge. Wir schauen uns das wirklich, kann ich Ihnen versichern, jede Woche an und die Niederschläge kommen und es sieht vernünftig aus. Es wird vielleicht keine Rekordernte, aber es wird eine normale durchschnittliche Ernte, aber keine

  29. Maximilian Bergmair

    Katastrophenernte. Dann haben wir den Euro-Dollar. Wer sich erinnern kann, Mitte September, wir waren 1,16 am Euro-Dollar, sind dann innerhalb von drei Wochen herunter auf 1,12, sogar teilweise unter 1,12. Ein Hinweis, der Euro-Dollar sorgt dafür, dass die Matif um acht Euro die Tonne aktuell besser notiert als mit dem Euro-Dollar von 1,16. Das müssen wir uns einfach nur vor Augen halten und das müssen wir wissen.

  30. Maximilian Bergmair

    Dann einmal das Bullen-Szenario: Was bringt den Markt weiter hoch? Natürlich weitere Eskalationen. Und was wir eigentlich mittlerweile gemerkt haben, ich weiß nicht, ob Sie es mitbekommen oder wenn man sich einmal so besinnt, das erste Schiff wurde angegriffen und auf einmal die Matif, ich weiß nicht, 20 Euro, 25 Euro hoch. Mittlerweile wird ja jeden Tag ein Schiff angegriffen und es passiert nichts mehr. Also der Markt wird müde auf die gleiche Meldung. Der Markt wird träge auf die gleiche Meldung. Das heißt, es muss etwas Neues kommen, etwas Extremeres. Und jetzt frage ich mich langsam: Was ist denn noch extremer?

  31. Maximilian Bergmair

    Das ist dann eben in dem Moment, wo ich auch sage, der Markt hat es jetzt schwer, wieder hochzukommen, weil wir eben so viele Meldungen schon verarbeitet haben.

  32. Maximilian Bergmair

    Eine Eskalation im Golf und ein schwacher Euro-Dollar-Kurs stützen die Preise natürlich auch, wie gesagt. Dementsprechend unsere Empfehlung, die ich gleich noch ein bisschen verteidigen will. Unsere Empfehlung an die Mühlen ist, die Prämie für den Liefertermin Januar, Juli 2027 zu kaufen und sich Qualitätsprämien für die Ernte 2027 teilweise zu sichern. Warum? Weil wir jetzt natürlich in einer guten Versorgungslage sind. Aber wenn ich Ihnen sage, was wir jeden Tag an Exportanfragen haben und mittlerweile auch verkaufen und da oben geht es heraus und Sie spüren das gar nicht, weil da oben die Ernte gut war, aber irgendwann ist da oben das alles aufgebraucht und es zieht weiter ins Inland hinein, dann kann es natürlich die Getreidepreise auch wieder stützen, weil wir dann nicht darüber reden, was die MATIF macht, sondern was die regionale Versorgung macht. Das ist so der Unterschied, was ich versuche zu erklären. Wir reden jetzt ganz viel über Matif und was macht die Welt, aber am Ende dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass auch irgendwann die regionale Versorgung knapp werden kann. Warum ist das aktuell so extrem? Das hat natürlich einerseits mit den Überlagerungen zu tun, aber auch andererseits, ich meine, ihr kennt vielleicht uns, wir haben Hafen Zeil am Main. Das letzte Schiff ging heraus, ich habe es gerade eben dem Kollegen gesagt, ich glaube, Ende Mai ging das letzte Schiff aus dem Main heraus. Richtig voll beladen, das muss ich dazu sagen. Seitdem nicht mehr. Wir haben eine trotzdem gute Ernte eingefahren und irgendwann sind eben die Lager erschöpft, die Mühlen haben ihre Ware gekauft bis Ende des Jahres. Was kann jetzt alles passieren? Wenn ich Ihnen eben auch noch sage, dass eine normale Fracht von Magdeburg zum Beispiel nach Handwerten 23 Euro kostet und mittlerweile sind wir bei 33 Euro, dann ist es ja nicht so, dass die hier drüben mehr bezahlen, sondern es ist nur so, dass wir hier weniger kriegen. Man orientiert sich hier drüben am Weltmarkt, am Exportmarkt, und dementsprechend rechnen wir die Frachten zurück. Das will ich jetzt mitgeben. Durch das wenige Wasser am Rhein und Main hat sich natürlich ganz viel in Süddeutschland aufgestaut. Wenn wir uns jetzt einmal das Szenario weiterspinnen, wir exportieren gut, es geht oben im Norden viel heraus und auf einmal ist Wasser da und die Ware geht hier unten auch heraus, weil natürlich auch die Preise durch die Exporte oder die Prämien erst einmal gestützt werden. Dann kann auch einmal sein, dass hier ein Sog entsteht und dann auf einmal vielleicht im April, Mai, Juli nicht mehr so viel da ist. Deswegen würde ich Ihnen empfehlen, einfach die Ware auch mit Kontrakten zu sichern. Sie müssen ja nicht gleich den Flat-Preis machen, sondern Sie können sich an die MATIF binden. Wenn aus der Schwarzmeerregion Ware herauskommt, ist das eher weiter bärisch für die MATIF und dann haben wir ja unsere Ziele definiert. Damit bin ich schon am Ende mit meinem Vortrag und hoffe, dass ich Ihnen die Zahlen und die Warenströme näherbringen konnte. Vielen Dank. [Applaus]

Ende des aufgezeichneten Texts bei 21:49.

Teil 2 · Fragerunde

0:00–8:55 · Zeitmarken und Sprechernummern gelten nur für diesen Teil

Sprecher wurden soweit möglich redaktionell zugeordnet; übrige Nummern und Zeitmarken gelten nur für diese Aufnahme.

  1. Moderation

    … Vortrag, sehr interessant. Fragen in die Runde?

  2. Moderation

    Müller fragt was. Profi ist da.

  3. Sprecher 1

    Ich hätte da gleich mal eine Frage. Also, wir wissen, Getreide ist eigentlich für die Versorgung der Mühlen ein lokales Geschäft, der Preis ist aber international.

  4. Moderation

    Genau.

  5. Sprecher 1

    Wenn das jetzt da unten, Russland, Ukraine,

  6. Sprecher 1

    sagen wir, weiterhin schwierig ist, wann würde ein bullisches Szenario wieder eintreten? Es wird ja dann irgendwann in der Weltversorgungslage wieder ein Defizit auftreten. Kann man das abschätzen? Ist das in der Ernte noch oder müsste es noch länger dauern? Weil wir wissen ja beide nicht, wann's, ob wirklich da unten Frieden einkehrt oder nicht.

  7. Maximilian Bergmair

    Das ist ganz schwierig. Ich habe es angedeutet: Es muss irgendetwas Extremeres kommen. Der Markt hat die Sachen verarbeitet – das ist wie Psychologie. Dann reagiert er auf etwas, das schon war, ein bisschen stumpfer als auf etwas, das noch nicht war. Und es ist uns auch klar, dass die Börsen gedanklich eher die Zukunft als die Gegenwart handeln. Und dementsprechend, wenn hier sich andeutet, dass hier die Getreideexporte gestoppt werden von russischer oder ukrainischer Seite, dann wär's natürlich wieder ein extremes Moment. Also, ich muss einfach noch mal auch deutlich machen, auch die Frage: Wir leben in unsicheren Zeiten. Die Preise sind volatil, und das muss sich jeder vor Augen halten. Ich rate dazu, das Risiko gering zu halten; das machen wir auch. Und ich glaube, das muss man sich einmal mehr auf die Fahne schreiben und dann auch die Preisentwicklung nach unten auch für sich nutzen.

  8. Moderation

    Also, Bücher möglichst geschlossen halten. Wer verkauft, sollte einkaufen.

  9. Maximilian Bergmair

    Genau.

  10. Moderation

    Das kleine Einmaleins der Absicherung.

  11. Maximilian Bergmair

    Ja, sozusagen.

  12. Moderation

    Genau. Mhm. Genau. Ja, gibt's Fragen in die Runde? Ja, hier. Da haben wir eine.

  13. Moderation

    Frau Kehler.

  14. Sprecher 3

    Daphne Huber von der DLG Agrar Tiger. Ich hab 'ne Frage: Wie sehr schätzen Sie denn augenblicklich die Kauf- oder Abgabebereitschaft der Landwirtschaft ein? Grade wenn Sie sagen, im Hinblick Mai, Juli, da könnte ich mir doch vorstellen, dann sagt sich jeder: „Dann warte ich noch ein bisschen mit dem Verkauf."

  15. Maximilian Bergmair

    Genau, sehr gute Frage. Nicht nur wir, sondern ich denke, mehrere Händler haben dem Landwirt eine Empfehlung gegeben: „Passt mal auf, die Preise sind hier konfliktgetrieben und haben hier mit der Regionalität nix mehr zu tun. Die sind weit ab davon." Wir glauben schon, dass die Landwirte einiges gemacht haben. Die sind mit Sicherheit noch nicht am Ende der Vermarktung, aber ich kann so viel sagen, dass die Landwirte im Vergleich mit den letzten drei Jahren in der Vermarktung deutlich weiter sind. So, und das muss man schon sagen und dementsprechend ist auch eben für Sie als Mühle das Risiko ganz klar April bis Juli, Anschluss neue Ernte. Das ist das größte Risiko, würd ich aktuell sagen, das man an Ihrer Stelle im Augenblick im Blick behalten muss.

  16. Moderation

    Mhm. Mhm. Weitere Fragen? Ja, Herr Ziegenhaus.

  17. Sprecher 4

    Du hast den Weltmarkt eher leerer stehen. Wie werden die Erzeugungskosten dann, die Düngerpreise, Diesel für Landwirte: Spielen die dann keine Rolle auf Dauer?

  18. Maximilian Bergmair

    Also, ich denke schon, wir haben es ja seit 2021 gesehen. Erstens muss der Landwirt seine Kosten kennen, ne? Da geht's schon los. Aber zweitens ist es ja so, ich denk, diese hundertsechzig, hundertachtzig Euro für 'n Weizen sind dann vielleicht mittlerweile eher hundertachtzig bis zweihundert Euro, was der Landwirt an Kosten hat. Aber der Punkt ist wie überall, das ist wie bei Ihnen, ne? Wenn man alles immer durchhandeln könnte, dann wär's ja vielleicht auch 'n Stück weit einfach, ne? Also, hier muss auch ganz klar der Landwirt seine Chancen nutzen und dementsprechend auch, ja, alles im Blick haben. Aber ich geb Ihnen recht, das kann jetzt dann auch langsam wieder wehtun und wir sehen's ja auch schon, dass grad auch in der Region Ost, ich glaub, so viele Betriebe wie zum Verkauf stehen, das haben wir die letzten zehn Jahre nicht gesehen. Also, man kann schon sagen, es ist schon knapp auch bei den Landwirten, ja.

  19. Moderation

    Konstantin Kolumbek hat noch eine Frage.

  20. Sprecher 5

    Ja, Herr Bergmair, vielen Dank für den sehr interessanten Vortrag. Bei der Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung fokussieren wir ja eher die Qualitäten. Jetzt hatten Sie kurz angesprochen, dass die Qualitätsaufschläge nicht so sind, wie sie eigentlich sein sollten. Und jetzt die berühmte Frage nach dem Blick in die Glaskugel: Was erwarten Sie denn, wie sich sozusagen nicht nur die Qualitäten, sondern auch das Marktverhalten, also hinsichtlich der Qualitätsaufschläge entwickeln wird?

  21. Maximilian Bergmair

    Gut, ich glaub, das ist mittlerweile relativ einfach zu beantworten. Ihr Mühlen, ihr wisst ja am besten, was bei euch ins Silo kommt. Und ich glaub, wenn ihr den B-Weizen kauft und den A-Weizen, dann seht ihr, dass der A-Weizen kommt. Genau. Dementsprechend glaube ich, ist ja das auch die Herausforderung, weil ja auch viele Mühlen auch schon mittlerweile fragen: „Mensch, wo ist denn eigentlich der schwache B-Weizen, den wir eigentlich auch brauchen?" Und wir dann auch sagen: „Den gibt's net und wenn's den gibt, dann kostet der mehr wie der A-Weizen." Um die Frage zu beantworten: Ich glaube, dass die Qualitätsaufschläge bis Ende der Saison situativ nicht mehr da sind, würde ich vorsichtig sagen. Und das genau ist aber auch das Risiko für die Ernte '27. Bitte passen Sie auf im Mehlverkauf. Wer sagt denn, dass die Ernte '27 qualitativ wieder so wird wie dieses und letztes Erntejahr? Ich sag's Ihnen, ich bin überzeugt, ne? Ich hab leider die Meinung auch vertreten, ne? Aber ich bin überzeugt, wär die Ernte so gekommen ohne diese Hitzephase, wir hätten hier Proteine von ein Prozent weniger.

  22. Maximilian Bergmair

    Und deswegen wär's auch qualitativ ein ganz anderes Jahr und diese drei Wochen haben einfach mal den Getreidehandel, natürlich für mich, weil ich ganz intensiv drin bin, einfach mal auf 'n Kopf gestellt, ne? Und deswegen, ich wär einfach vorsichtig mit: „Das trägt sich in die neue Ernte und wir verkaufen wieder." Und natürlich haben wir Glück gehabt, dass wir in der Ernte '25 eine große Überlagerungsmenge hatten. Also, wir hatten ja eine Grundsicherung der Qualitäten erst mal, ne? Aber das glaub ich, dass es das für Übergang '26, '27, dass es das in dem Maß nicht so gibt.

  23. Sprecher 6

    Ich habe noch eine Frage. Prämie würde mich noch interessieren für '27. Gibt's da schon Ideen?

  24. Maximilian Bergmair

    Prämien?

  25. Sprecher 6

    Arbeitsprämie für '27.

  26. Maximilian Bergmair

    Arbeitsprämie '27. Gut, je nach Station wird ja irgendwas von, ich sage jetzt mal, zehn Euro die Tonne besprochen auf den B. Und ich muss auch sagen, dadurch, dass das ja ein Euro pro Zehntel ist, halte ich das auch aktuell eher für günstig als für teuer aus den Sachen, was ich gerade erklärt habe. Dementsprechend würde ich da nicht drunter gehen. Eher sogar: die Risiken sind ja für alle da, ne. Sie wissen ja, auch wir kaufen beim Landwirt ja nicht den A-Weizen, den Sie brauchen, sondern wir kaufen ja A, B, C, liefer mir, was du willst und der Handel wird's schon richten. Und dementsprechend ist ja auch das Risiko auch immens. Weil ohne den Landwirt, ohne dass wir ihm das anbieten, kriegen wir auch keine Vorkontrakte. Dann können wir Ihnen kein Mehl, also kein Getreide fürs Mehlgeschäft anbieten. Also dass der Kreislauf funktioniert, ist auch wesentlich, dass der Landwirt sich auf Vorkontrakte einlässt.

  27. Maximilian Bergmair

    Das ist der Punkt.

  28. Sprecher 6

    Ich hätte noch eine Frage, und zwar zu dem Chart mit den Getreidepreisen. Sie haben Ukraine hundert Dollar hingeschrieben.

  29. Maximilian Bergmair

    Ja.

  30. Sprecher 6

    Russland hundertzwanzig Dollar.

  31. Maximilian Bergmair

    Dreißig, hundertdreißig.

  32. Sprecher 6

    Hundertdreißig. Können die da produzieren? Funktioniert das?

  33. Maximilian Bergmair

    Nein, aber die sind liquiditätstechnisch sehr am Ende und die müssen verkaufen. Also selbst ich kriege mittlerweile Anrufe: "Kriegst du nicht irgendwie, kannst du nicht irgendwie einen Ganzzug irgendwo an die Grenze stellen? Wir fahren hin und machen voll. Mach einfach, ja." Aber mittlerweile so ein LKW, so ein Ganzzug, der kostet ja allein schon hundert Dollar, bis der bei uns ankommt. Also es ist nicht so, dass es gegeben ist, dass die Ware rauskommt. Und wir dürfen auch eins nicht vergessen: Das ist jetzt nicht für den Weizen, aber gerade fürs Futtergetreide, für den Mais, auch für die Ölsaaten, der Raps, der muss von der Ukraine nach Europa, nach Westeuropa kommen. Und wenn der Mais teuer wird, das sehen Sie ja gerade, dann wird der Futterweizen auch nicht geschenkt werden. Und wenn der Futterweizen anzieht, dann wird's den B-Weizen irgendwann auch nicht mehr günstig geben. Und das ist eigentlich das, was wir sehen, ne. Die Prämie im Westen, auch logistisch getrieben. Der Futterweizen in Holland, Großverwasser, kostet aktuell genauso viel wie der B-Weizen. Und das ist in dieser Jahreszeit schon sehr früh im Vergleich zu dem, was wir in den letzten zehn Jahren gesehen haben.

  34. Moderation

    Okay, keine Fragen. Dann bedanke ich mich. Wirklich ein super Vortrag. Sehr interessant. Vielen Dank. [Applaus] Ich darf den letzten Vortrag ankündigen. Herr Häfele, Biokontor Hofheim, der berichtet über Preise, Menge, Versorgungslage der heimischen Biogetreidemärkte aus der Ernte zweitausendsechsundzwanzig.

Ende des aufgezeichneten Texts bei 8:55.

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