Christian Rückert: Rohrbau in der Mühlenpraxis
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Christian Rückert
Praxis- und zukunftsweisende Anwendungsmöglichkeiten im Rohrbau: Die Firma Rückert und KMH haben seit August eine Vertriebspartnerschaft für den südbayerischen Raum und Teile Baden-Württembergs. Deshalb präsentieren wir uns in Volkach gemeinsam. Ich mache das Intro, dann übernehmen die Kollegen von KMH. Seit August 2026 haben wir exklusiv die KMH-Vertretung für Postleitzahlgebiet 8 und Teile von 7 übernommen.
Christian Rückert
Jeder kennt die Rohre in der Mühle, in der Reinigung und in der Aspiration. Trotzdem wissen wir aus Erfahrung, dass es sich lohnt, über Rohrbau und die verschiedenen Systeme zu sprechen. Bördelrohrsysteme werden bei Getreide, Mehl und anderen Schüttgütern sowie für Luft eingesetzt. Wir unterscheiden schwerpunktmäßig Fallrohrbau und Luftrohrbau. Durch Fallrohre laufen rieselfähige Schüttgüter wie Getreide, Pellets und Grieß.
Christian Rückert
Auch schwer fließende Mehle, Dunste, Kleie und Schälprodukte gehören zum Fallrohrbau. Luftrohrbau brauchen wir für Aspiration, Abluft, Förderung, Klima und Kühlung. Bei den Standardrohrsystemen haben wir pulverbeschichtete Rohre mit einem Millimeter Materialstärke. Sie werden meistens im Luftrohrbau in trockenen Innenräumen für nicht schleißende, nicht aggressive Medien eingesetzt. Auch für Mehl und ähnliche nicht schleißende Produkte im Fallrohrbau kann ein Millimeter ausreichen.
Christian Rückert
Die zweite Variante sind pulverbeschichtete Rohre mit zwei bis drei Millimetern, die im schleißenden Luftrohrbau eingesetzt werden können, etwa bei der Schalenabsaugung. Da nehmen wir größere Wandstärken, damit das Rohr nicht gleich durchgeschossen ist. In Getreidereinigung und Annahme verbauen wir bei normalem Verschleiß in der Regel grundierte und pulverbeschichtete Rohre mit zwei Millimetern. Bei hoher Belastung, etwa einer Annahme im Dauerbetrieb, gehen wir auf drei Millimeter. Bei extremen Belastungen gibt es weitere Möglichkeiten. Eine andere Ausführung ist ein Millimeter verzinkt.
Christian Rückert
Verzinkte Rohre mit einem Millimeter werden im Luftrohrbau für nicht schleißende Medien sowie bei Feuchtigkeit oder leicht aggressiven Medien verwendet. Früher haben wir auch innen Luftrohrbau immer verzinkt gebaut und Fallrohrbau grundiert, lackiert oder pulverbeschichtet. Warum das so war, kann heute kaum jemand sagen. In trockenen Innenräumen ohne aggressive Bedingungen braucht man nicht unbedingt verzinkte Rohre.
Christian Rückert
Diese Regel haben wir aufgegeben, weil verzinktes Rohr gegenüber pulverbeschichtetem teurer ist. Edelstahl mit einem Millimeter kommt bei höheren Anforderungen zum Einsatz, etwa bei Lebensmitteln, nicht schleißenden oder aggressiven Medien, im Außenbereich und in Feuchträumen. Im Lebensmittelfallrohrbau wird Edelstahl oft verlangt, beispielsweise für nicht schleißende Mehle und Pulver.
Christian Rückert
Zwei Millimeter Edelstahl verwenden wir auch für schleißenden Luftrohrbau, aggressive Medien, öl- und säurehaltige Absaugungen, Schalenabsaugungen sowie im Außenbereich und in feuchten Innenräumen. Im Fallrohrbau kommt Edelstahl bei höheren Anforderungen und Produkten wie Ölsaaten, Presskuchen und Pellets zum Einsatz. Hoch belastete Rohre finden wir etwa in der Annahme oder an den Hauptrohren von Getreidelägern zur Verladung.
Christian Rückert
Wo täglich besonders viel durchläuft, können wir zusätzlich Verschleißschutz vorsehen und Rohre mit entsprechenden Platten auskleiden; die im Rohtranskript erkannte Produktbezeichnung ist [unklar]. Jetzt zur Praxis im Luftrohrbau: In Mühlen werden Rohre oft selbst umgebaut. Als Anlagenbauer sehen wir dabei gelegentlich ungewöhnliche Lösungen. Deshalb lohnt sich ein Blick auf die Grundlagen.
Christian Rückert
Im Luftrohrbau sollte die Rohrführung nach Möglichkeit waagerecht oder senkrecht sein, weil sich in schrägen Rohren eher Produkt ablagert. Das gilt ähnlich für die [unklar: Bezeichnung der Pneumatik]. Rohrdurchmesser und Volumenstrom müssen zur Luftgeschwindigkeit passen. Wenn die Aspiration nicht mehr läuft und das Rohr voll ist, schauen wir auf Durchmesser und Verzweigungen. Die Geschwindigkeit muss auch dort eingehalten werden. Als Faustwert für unsere trockenen Stäube nenne ich ungefähr 12 bis 15 Meter [unklar: Zeiteinheit].
Christian Rückert
Dann legt sich das Rohr in der Regel nicht ständig zu. Ganz verhindern lässt sich das nicht; an manchen Stellen muss gelegentlich mit der Bürste gereinigt werden. Reicht die Aspiration an einer Maschine nicht aus, können Zuluftklappen im Register helfen, die Luftgeschwindigkeit im Rohrsystem einzustellen. Regelmäßige Putzdeckel sind wichtig: Wenn ich nicht hineinkomme, kann ich nicht reinigen. Die Zugänglichkeit muss geschaffen werden. Auch der Luftwiderstand ist ein Energiethema.
Christian Rückert
Zu hohe Luftgeschwindigkeiten sind ebenfalls nicht gut. Wo möglich, sollten Rohre mit größeren Radien und strömungsgünstigen Verzweigungen ausgelegt werden. Statt 90-Grad-Abzweigungen sind 45 oder 30 Grad günstiger; T-Stücke sind strömungstechnisch eher ungeeignet. An Verzweigungen müssen die Rohrdurchmesser zu den Luftgeschwindigkeiten passen, damit das Produkt nicht liegen bleibt. Bei wechselnden Absaugstellen, etwa an einer Siloanlage mit einem durchgehenden Rohr,
Christian Rückert
müssen die nicht benutzten Stellen abgeschiebert werden, damit die Luftgeschwindigkeit stimmt. In explosionsgefährdeten Bereichen sind Systeme und Klappen entsprechend den Anforderungen und dem Lastenheft auszulegen. Eine praktische Faustregel: maximal zwei Segmente pro Knick. Rohrsegmente sind nicht dazu da, Rohrlängen anzupassen. Wer Anlagen anschaut, sieht, warum dieser Hinweis angebracht ist.
Christian Rückert
Ein fachmännisch ausgeführtes Rohr hat maximal zwei Segmente oben und zwei unten; diese werden passend eingedreht. Fünf oder zehn Segmente hintereinander, nur damit es irgendwie passt, sind fachlich keine gute Lösung. Für langlebigen Fallrohrbau müssen die Materialstärken an die Belastung angepasst werden.
Christian Rückert
Enge Umlenkungen sollte man vermeiden. Bei sehr langen Rohrläufen, etwa einem 30 Meter langen Verladerohr am Silo, können Prallkästen oder Rohrbremsen den Verschleiß begrenzen. Auch vor Maschinen oder Fördertechnik sind Bremsen, Prallkästen oder Einlaufkaskaden sinnvoll: Das Getreide soll nicht mit voller Geschwindigkeit auf die Siebe treffen, sondern beruhigt einlaufen. Schräg geschnittene Rohre sollte man vermeiden.
Christian Rückert
Gerade im Fallrohrbau wird manchmal ein Rohr schief geschnitten, damit es mit weniger Segmenten passt. Das spart vielleicht ein Segment oder einen Spannring, aber der schräge Schnitt macht das Rohr oval und die Verbindung passt nicht richtig. Verschleißende Rohre kann man normalerweise je nach Belastung alle ein bis zwei Jahre drehen. Bei einem schief geschnittenen Rohr geht das nicht.
Christian Rückert
Für die fachgerechte Montage einer geraden Verbindung zwischen zwei Anschlüssen nenne ich maximal vier Segmente. Hohe Segmentstapel nennen wir Schwanenhälse. Der Monteur muss den Rohrverlauf mit Winkel und Schnur richtig herstellen. Die Segmentpaarung sollte so gewählt werden, dass der gewünschte Winkel mit der kleinstmöglichen Paarung erreicht wird.
Christian Rückert
Manchmal werden für einen Winkelversatz von zehn oder 15 Grad zwei 45-Grad-Segmente gegeneinander verdreht. Der Winkel wird erreicht, aber es entsteht ein starker Zickzack. Gerade bei schleißenden Produkten führt das zu erhöhtem Verschleiß. Wir haben Segmente mit fünf, 15, 30 und 45 Grad und sollten die passende Paarung wählen. Beim Gefälle kommt es auf das Fließverhalten des Schüttguts an.
Christian Rückert
Für die Projektierung nennen wir Anhaltswinkel: bei trockenem Getreide etwa 35 Grad; 30 Grad können funktionieren, werden aber schwierig. Für feuchtes oder bespelztes Getreide wie Dinkel wünschen wir etwa 40 Grad, für normales Mehl 45, besser 50 Grad. Zwischen Sichtern und Walzenstühlen versuchen wir bereits in der Zeichnung mindestens 50 Grad zu erreichen. Bei schlecht fließenden Produkten wie Roggen-, Dinkel- oder Filtermehlen
Christian Rückert
versuchen wir mindestens 55, besser 60 bis 70 Grad zu bauen. Ein vollständig senkrechtes Rohr kann eher zum Zulegen neigen als ein leicht angestelltes, in dem das Produkt auf dem Rohr läuft. Der Gummihammer ist keine dauerhafte Lösung für schlechtes Gefälle. Manchmal ist die Bauhöhe begrenzt, aber wenn die Anlage ständig verstopft oder nicht läuft, muss man eine andere Lösung suchen.
Christian Rückert
Die beschädigten Teile könnten wir zwar austauschen, aber das wollen wir eigentlich nicht. Ein Rohrsystem ist [unklar: komplexer oder kompakter] als gedacht. Dafür sind wir als Anlagenbauer da.
Ende des aufgezeichneten Texts bei 16:55.